Nun ja, ein Krimi ist auch dann ein Krimi, wenn er platt und vorhersehbar ist. Also bitte tu mir den Gefallen und schade der SF (bzw ihrem Akzeptiertwerden) nicht noch dadurch, dass du den armen "Unwissenden" mit solchen handgestrickten "Definitionen" kommst. Kein Wunder, dass die Angst vor SF bekommen …

Nein im Ernst: Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit mal eine Diskussion mit jemandem, der hartnäckig darauf bestand, SF sei nur, was eine zukünftige Gesellschaft entwerfe. Falscher ist eigentlich nur der Irrtum, SF sei "wissenschaftlich". Das Wesen der SF ist NICHT das Transportieren von Botschaft, die Darstellung des Konfliktes von Gut und Böse (dann wären an die 80 % aller Prosa-Belletristik SF!) oder dergleichen. Es ist auch nicht die Extrapolation von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu „was, wenn es angewendet wird?“. Alles 3s (Zukunftswelt, Gut/Böse, Extrapolation) sind Elemente, die in der SF vorkommen, aber nicht ihr Wesen.
SF ist ein formales Genre, nicht mehr und nicht weniger. So wie Krimi, Arztroman oder Fantasy. Und innerhalb des Genres gibt es von Trash über pure Unterhaltung bis "hohe Literatur" alles, was es in anderen Genres auch gibt. Wobei man zugeben muss, dass man in der SF öfter "hohe Literatur" trifft als bei Arztromanen.

In Amerika und anderswo, wo man nicht so kategorisierungswütig ist wie bei uns, zählt, ob SF draufsteht (kann „hohe Literatur sein“ oder pure Unterhaltung, kann „1984“ sein oder eben auch „Star Trek“. Oder „X-Men“), bei uns wird von dieser Definition ausgegangen (die ich inhaltlich und werbestrategisch richtig gut finde) :
SF ist ein Bereich der Phantastik. Phantastik ist die Literatur (inkl. Film & Theater), in der Dinge geschehen, die im Hier und Heute (=„unsere Welt der Entstehungszeit“) nicht geschehen können. SF ist es dann, wenn dieses phantastische Element als naturwissenschaftlich bzw. technisch erklärt postuliert wird und/oder den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen von Hier und Heute nicht "nachweisbar"(*) widerspricht. Alles andere ist Fantasy (oder meinetwegen auch Phantastik).
* Es ist zum Beispiel „nachweisbar“, dass ein Mensch auf rein biologischem Weg nicht mit seinen Augen Laser verschießen kann oder sich selbst einfach so teleportiert (ergo ist X-Men z.B. kein SF, und wenn es die Amis tausendmal draufschreiben). Es erscheint uns heute extrem unwahrscheinlich, dass man je wird beamen können, aber zweifelsfrei nachweisbar ist das nicht. Es gibt auch sehr viele sehr gute Argumente gegen die Möglichkeit von Zeitreisen, aber auch diese Unmöglichkeit ist (heute) nicht naturwissenschaftlich nachweisbar. Telepathie ist – zumindest mit technischen Hilfsmitteln – inzwischen durchaus wissenschaftlich denkbar (und wenn man die entsprechenden Erkenntnisse „hochrechnet“ auch biologisch (nach Mutation?) nicht mehr so „unsinnig“, wie „aufgeklärte“ Menschen noch vor 50 Jahren felsenfest behaupten konnten).
Natürlich wird es immer Grenzbereiche geben. Einmal, weil der Autor selbst sich nicht recht festlegt, zum anderen, weil die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse schwanken und (vor allem auf „neuen Gebieten“) nicht immer so „wahr“ sind, wie wir es gern hätten.
* Dieser Punkt heißt auch, das Alternativwelt-Szenarien SF sind, denn es ist naturwissenschaftlich(!) nicht nachweisbar, dass z. B. Hitler nie hätte ermordet werden können, da Vincis Erkenntnisse nicht seine Zeit viel stärker hätten prägen können oder dass der Ostblock zerbrechen musste.