Bühermaus17 hat geschrieben:
Richtig ist das wer das Buch erstehn will heutzutage keinerlei Probleme haben dürfte.
Ich habe eher den Eindruck, dass bereits derjenige, der das Buch nur ansehen will, heutzutage Probleme hat:
Mir war es zwar problemlos möglich im Rahmen einer historischen Seminararbeit, die sich auf die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bezog, an einer dt. Uni im "Völkischen Beobachter" zu recherchieren. "Mein Kampf" hat aber auch an dt. Unis Sonderstatus: An dem Platz im Regal, wo das Buch eigentlich stehen sollte, findet man ein Kärtchen mit dem Hinweis, bei welcher Person man sich melden muss, wenn man es ausleihen möchte. Unregistriert einen Blick hineinzuwerfen geht nicht: steht im Giftschrank. Ich weiß auch nicht, welche Charakterprüfung, die Person, die das Buch verwahrt, vorgenommen hätte. Da mein Thema sich nicht auf die Ideologie des Nationalsozialismus bezog, hätte ich vermutlich "keinen ausreichenden Grund für die Ausleihe" gehabt. So ließ ich es dann auch bleiben. Offenbar hat der Staat oder die Bibliotheksleitung Angst, dass bei einem Student, der ein historisches Seminar belegt und der aus bloßer Neugier in dem Buch blättern möchte, die nicht unerhebliche Gefahr besteht, dass er kurz nach der Lektüre dem Nationalsozialismus anheim fällt: das Buch "den Adolf in ihm" weckt. Ansonsten kann ich mir den Popanz, der selbst an Universitätsbibliotheken im Bezug auf den Stellenwert dieses Buches aufgebaut wird, schlecht erklären.
Da in Deutschland das Copyright 70 Jahre nach dem Tode des Autors abläuft, besteht ab 1945+70= 2015 die Möglichkeit einer Veröffentlichung gegen den Willen des Rechteinhabers. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte will dann eine kommentierte Ausgabe herausgeben und damit hoffentlich dem Kult, der um dieses Buch getrieben wird, ein Ende setzen:
http://www.welt.de/kultur/article624218 ... einen.html