Versandantiquariat gründen

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psp2012
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Versandantiquariat gründen

Beitrag von psp2012 » Do 3. Mai 2012, 00:27

Hallo!

Ich hoffe meine Frage ist nicht allzu unpassend. Ich wohne seit dem 16. Lebensjahr im Ausland und ziehe jetzt im Herbst nach Deutschland zurück, wo ich ein Versandantiquariat gründen will, für den Anfang als Nebentätigkeit. Leider habe ich keine Ahnung, wie man so etwas tut, und habe mich auch mit deutschem Steuerrecht nie auseinandersetzen müssen.

Ich würde mich daher über alle Tipps und Ratschläge zu diesem Thema freuen. Welche Schritte sind notwendig, um überhaupt online verkaufen zu dürfen, und wo findet man genauere Auskunft zu diesem Thema?

Vielen Dank im voraus!
Philipp

surfzocker
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von surfzocker » Do 3. Mai 2012, 06:50

Hallo Philipp,

dann sage ich als Erstes mal willkommen zurück auf Deinem urspr. Heimatplaneten :wink:

Zu Deinem Plan: Generell ist es natürlich eine feine Sache, wenn man sich hinsichtl. seiner pers. Neigungen selbständig macht. Ob man im erforderlichen Umfang, von den Einnahmen, die ein Versandaquariat abwirft, leben kann, stelle ich in Zweifel, evtl. noch zusätzl. einen (Teilzeit-) Job zur Sicherung der Grundeinnahmen, so wie Du das lt. EP auch planst, sehe ich ebenfalls nicht als verkehrt an, denn der Gebraucht-Buchmarkt tut sich schwer und es gibt sehr viele Anbieter.

Dazu kommt erschwerend: Es gibt 2 riesige Massenauf- verkäufer (medimops, re-buy), die oft den Marktpreis kaputt machen. Und hast Du Dir schon überlegt wie und wo Du online anbieten möchtest? Die beiden "Großen" (Amazon, eBay) haben zwar den größten Traffic, üben auf die Verkäufer (besonders auf neue) erheblichen Druck aus. Auf kleineren Plattformen wie z.B. hier ist es zwar angenehmer zu handeln, diese werden allerdings nicht in dem Maß frequentiert, dass man über den Abverkauf Jubellieder trällern möchte. Vlt. käme auch das zvab für Dich in Frage (ist mittlerweile aber Amazon-zugehörig)?:

http://www.zvab.com/index.do?ref=google ... 3wodT0quAg

Evtl. wäre ein Mix aus den versch. Plattformen in Verbindung mit einem eigenen Webshop (für dessen Auffindbarkeit in den Suchzeilen man aber auch was tun muss) eine gute Kombi; aber das muss man nach und nach herausfinden. Letzten Endes spielt auch die angebotene Ware eine gewichtige Rolle. Seltene und begehrte Werke werden von einer bestimmten Zielgruppe sicherlich gefragt sein, der 5-millionste Konsalik wiederum scheint wohl entbehrlich.

Auf jeden Fall solltest Du Dir Informationen von der für Dich zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) zukommen lassen. Bitte um einen Termin zu einem pers. Gespräch; nach meiner Erfahrung wird einem da sehr freundlich und kompetent geholfen.

Google-Tipps:

- Kleingewerbe
- Onlinehandel
- Widerrufsrecht / Widerrufsbelehrung
- Fernabsatz
- Telemediengesetz
- Selbständig im Nebenerwerb
- Altersversorgung Selbständige
- Krankenversicherung Selbständige / Familienversicherung

Liste natürlich nicht abschließend.

Viel Glück!
In Forum Veritas!

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Erzkanzler
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von Erzkanzler » Do 3. Mai 2012, 10:59

Moin,

nicht vergessen: die Förderprogramme in Anspruch nehmen:

http://www.existenzgruender.de/selbstae ... /index.php

Du kannst schonmal mit den "Nebensächlichkeiten" beginnen:

Welche Unterlagen?

Business- und Investitionsplan
Umsatz- und Rentabilitätsvorschau für zwei Jahre
Vermögens- und Schuldenaufstellung.
Investitionsplan
Übersicht über Sicherheiten,
Liquiditätsplan auf Monatsbasis für ein Jahr.
......

Und dann viel Spaß mit der Industrie-und Handelskammer...., da (und nicht nur von dort!!!) kommt die erste Rechnung schneller, als die ersten Erträge.

Trotzdem viel Glück bei deinem Vorhaben!!
cu
Erzkanzler
Mein Bücherregal
"Nimm einem stolzen Hirsch sein Geweih.
Was bleibt übrig?
Ein großes Karnickel."

psp2012
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von psp2012 » Do 3. Mai 2012, 19:50

Hallo! Vielen Dank für eure Antwort! Ich sehe, da kommt einiges auf mich zu. Angenommen ich würde für den Anfang erst einmal als Privatperson Bücher verkaufen (aus meiner Sammlung), z.B. über eBay oder einen Anbieter wie booklooker, was wäre dazu nötig? Benötigt man trotzdem einen Gewerbeschein und muss Gewerbesteuer zahlen?

Danke!
Gruss,
Philipp

kalokalokairi
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von kalokalokairi » Di 8. Mai 2012, 20:21

Die IHKen bieten auch Existenzgründer-Seminare an - in der Regel gut angelegtes Geld und billiger als eine Abmahnung.

Gute Infos findest du auch hier:
http://www.internetrecht-rostock.de/

Um privat zu verkaufen, brauchst du eine Anschrift und ein Bankkonto. Gewerbeschein ist - wie der Name schon sagt - für Gewerbetreibende, Gewerbesteuer auch.

Und: Das erste Buch, das du anschaffst, um es zu verkaufen, ist der Beginn eines Gewerbes - unabhängig davon, ob du einen Gewerbeschein hast oder nicht.

Marcus T. Cicero
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von Marcus T. Cicero » Sa 19. Mai 2012, 11:47

Bevor man sich mit den organisatorischen und rechtlichen Fragen der konkreten Unternehmensgründung (bzw. Gewerbeanmeldung) befasst, sollte man den Fokus auf die Branche richten.

Professionelle Investoren ("Private Equity") lassen sich vor ihrem Investment umfangreiche Gutachten erstellen, die die Branche und den in ihr näher abzugrenzenden "Markt" untersuchen.
Dazu zählen natürlich Marktstruktur und genaue Konkurrenzsituation, Marktgröße, Markpotential, die bisherige und zu erwartende Marktentwicklung, sowie last but not least die erzielbaren Gewinne und Gewinnmargen.

Private Equity-Gesellschaften sind in wissenschaftlichen Fachverlagen investiert (z.B. siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Springer_S ... ness_Media ). Der Content wird gratis oder im Verhältnis zum Verkaufspreis sehr geringen Kosten geliefert.

Private Equity könnte auch in die großen Vertriebsplattformen (wie Amazon) investieren.

Private Equity ist NICHT in Antiquariaten investiert. :D

Um mich einer häufig verwendeten Formulierung unserer Kanzlerin zu bedienen, müssten solche Investoren auch "mit dem Klammerbeutel gepudert" sein, wenn sie es täten. :D :D

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d_r_m_s
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von d_r_m_s » So 20. Mai 2012, 10:20

Marcus T. Cicero hat geschrieben:Bevor man sich mit den organisatorischen und rechtlichen Fragen der konkreten Unternehmensgründung (bzw. Gewerbeanmeldung) befasst, sollte man den Fokus auf die Branche richten
...
dazu natürlich volle Zustimmung ...

ein Businessplan ist dazu äusserst nützlich ... nicht nur, um ev. Förderungen zur Existenzgründung beantragen zu können, sondern auch, um sich intensiv mit den für das Überleben notwendigen Geschäftszahlen und -Prozessen auseinanderzusetzen ...

wie und mit welchem Aufwand komme ich an meine Ware, wie lege ich den Einkaufspreis fest ( Verkaufspreise bestimmt ja weitgehend der 'Markt'), mit welchem Lagerumschlag kann ich rechnen, wie gross muss mein Lager sein, um einen Ertrag von x generieren zu können ... und wie lange wird es wohl dauern, bis 'der Laden läuft' ... daraus ergeben sich dann (u.U. 'interessante') Kapitalanforderungen ...

wer daneben ein auskömmliches Einkommen hat kann natürlich auch erstmal Austesten ...
Marcus T. Cicero hat geschrieben:...
Private Equity ist NICHT in Antiquariaten investiert. :D

Um mich einer häufig verwendeten Formulierung unserer Kanzlerin zu bedienen, müssten solche Investoren auch "mit dem Klammerbeutel gepudert" sein, wenn sie es täten. :D :D
Private Equity Investoren spielen in einer ganz anderen Liga als normale Existenzgründer ... wenn es danach ginge, würden >95 % aller Gründungen in Deutschland (und vermutlich >99 % weltweit) gar nicht stattfinden ... und wenn ich mir die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik ansehe frage ich mich, wer da wohl mit dem Klammerbeutel gepudert wurde ... :roll:

es muss für einen Existenzgründer kein Vorteil sein, in einer Branche zu arbeiten, die von Finanzkonzernen beackert wird ...

wobei ich kein Antiquariat gründen wollte ... aber es hat eben jeder so seine eigenen Vorlieben ...

liebes lesebuch
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von liebes lesebuch » So 20. Mai 2012, 15:14

Deine privaten Bücher oder für dich nicht mehr gebrauchbare "Alltagssachen" aus deinem Hausrat kannst du ohne weiteres über booklooker und den anderen Plattformen oder auf dem Flohmarkt als Privatanbieter verkaufen. Du zahlst dann nur die jeweilige Verkaufsprovision oder eine Standgebühr.

Wenn du allerdings "privat" Dinge einkaufst, um sie wieder weiterverkaufen zu können ist das eine so genannte "Gewinnabsichtserzielung", wenn du erwischt wirst oder dich jemand meldet zahlt du gehörig Strafe an den Staat.

Du kannst dich natürlich auch nebenbei wie du es anfangs erwähntest beim Gewerbeamt/Stadt/Gemeinde anmelden, dann kannst du zu günstigeren Konditionen einkaufen und zu deine eigene Preise machen. (In Deutschland nicht bei NEUEN Büchern -> Buchpreisbindungsgesetz da legen die Verlage den Endpreis fest).
Du zahlst allerdings am Ende des Jahres auch die Umsatzsteuer auf deinen UMSATZ.

Es hilft dir gerne auch das Finanzamt in Deinem zukünftigen Heimatort weiter. Ein kurzer Anruf kann manche Frage klären.

Marcus T. Cicero
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Re: Versandantiquariat gründen

Beitrag von Marcus T. Cicero » So 20. Mai 2012, 15:24

d_r_m_s hat geschrieben:ein Businessplan ist dazu äusserst nützlich
Erzkanzler hat ja noch weitere Punkte vorgebracht. Nur:
Die kann niemand liefern, der nicht über ein Mindestmaß an Branchen- und Geschäftserfahrung verfügt. Im Übrigen wird eine Bank einem absoluten Anfänger auch keinen Geschäftskredit gewähren.

Dass Private Equity in einer anderen Liga und mit anderen Renditevorstellungen spielt, ist völlig klar. Private Equity Investoren ist ziemlich egal, worin sie investieren, Hauptsache sie machen Gewinn. Daher gehen sie, bevor sie investieren, auch sehr gründlich in der Marktanalyse vor.
Darin unterscheiden sie sich wohltuend von Leuten, die von vorneherein bestimmten Geschäftsideen anhängen, ohne sich ausreichend Gedanken über die mittel- und langfristige Tragfähigkeit ihres Geschäftsmodells gemacht zu haben.
d_r_m_s hat geschrieben:es muss für einen Existenzgründer kein Vorteil sein, in einer Branche zu arbeiten, die von Finanzkonzernen beackert wird ...
Das ist richtig, aber leider auch ein Indiz, dass es sich um ein margenschwaches Geschäft handelt. Es gibt Big-Player, die an der IT-Abwicklung der Transaktionen prozentual verdienen oder versuchen durch schiere Masse an Buchverkäufen ihr Geschäft zu machen, und viele kleine Krauter, die aufgrund von Preistools einem harten Preiswettbewerb ausgeliefert sind.

Klassische Antiquariate sind seit Jahren, genauer gesagt seit Verbreitung des Internets, auf dem Rückzug. Damit teilen sie das Schicksal der Neu-Buchhandlungen, obwohl diese, der Buchpreisbindung geschuldet, wenigstens Ihre Margen erhalten.

Bertelsmann hat übrigens durchaus Interesse, den erwähnten Springer (Wissenschafts-)Verlag von den Private Equity-Leuten wieder zurück zu kaufen: http://www.buchjournal.de/526640/
Die wichtigsten Geschäftszahlen (für 2010 Umsatz 866 Mio. Euro, EBITDA 294 Mio. Euro, ergo eine EBITDA-Marge von knapp 34 % !) findet man hier im Überblick: http://www.springer.com/about+springer/ ... 5705-0-0-0
Bertelsmann musste damals verkaufen, weil sie dringend Geld brauchten, um ihre Anteile an RTL aufzustocken.

Surfzocker hat weiter oben schon Näheres über die Branche ausgeführt. Hier ein umfangreiches Dossier zum Branchenprimus Amazon: http://www.buchreport.de/analysen/amazonkindle.htm

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