Alte Bücher auf den Index!

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d_r_m_s
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Fr 16. Aug 2013, 10:00

Welt: Schmeckt linguistisch gesäubertes Essen besser?
http://www.welt.de/kultur/article119064 ... esser.html

es gibt noch viel zu tun ... Negerkuss und Mohrenkopf waren ja erst der Anfang ...
...
das eng verwandte Zigeunerschnitzel heißt ja schon lange nicht mehr so und wird selbst in der hinterwäldlerischsten ostdeutschen Autobahnraststätte als "Balkanschnitzel" verkauft.
Ob diese Umbenennung allerdings glücklich war, darf bezweifelt werden. Das Wort Balkan klingt mittlerweile viel zu sehr nach Bandenkriminalität und ethnischer Säuberung. Auch deshalb sind die meisten Balkan-Restaurants entweder verschwunden oder sie nennen sich jetzt "kroatische Restaurants" – ganz egal, aus welchem Landesteil Ex-Jugoslawiens ihr Besitzer kommt
...
na, wenn das keine Diskriminierung ist ... :twisted:
...
Dagegen darf der Amerikaner immer noch so heißen, weil das namengebende Volk keinen Minderheitenschutz genießt
...
immerhin, damit dürften Berliner, Frankfurter und Wienerle vorerst überleben ...
...
im Nordosten nennt man seit Kolonialzeiten eine Krapfensorte "Kameruner". Bisher ohne Beanstandungen. Möglicherweise hat sich bloß deshalb noch niemand diskriminiert gefühlt, weil sich einfach kein Kameruner nach Mecklenburg-Vorpommern traut.
aua, das war jetzt aber auch wieder ein Schlag gegen Meck-Pomm ...

aber es gibt zweifellos noch viel zu tun ... auch der Informationsgehalt vieler Bezeichnungen lässt zu wünschen übrig ... Marmorkuchen ist weder aus Stein, noch soll er so hart sein ... Hundekuchen enthält keinen Hund, und 'Kuchen' ?

so findet man sicher noch sehr viele Beispiele, die man 'optimieren' könnte ... aber irgendwann ist dann alles doppelplus gut ... :roll:


P.S. was mir gerade noch einfällt ... es gibt da eine Metalllegierung, die auch gerne zur Täuschung Unwissender verwendet wird ... 'Neusilber' ... hat mit Silber nur vom Aussehen her etwas zu tun ...

und wie wird das Zeug international genannt ?

'german silver' ... :evil:

aber bei uns ist das natürlich etwas anderes ...

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spiralnebel111
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von spiralnebel111 » Fr 16. Aug 2013, 10:34

...und die Jägerschnitzel enthalten leider keine Jäger... :roll:

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xenna
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von xenna » Fr 16. Aug 2013, 12:11

...und die Wiener Schnitzel auch keine Wiener :mrgreen:
Guckst du hier
Und hier stell´ich mich persönlich vor:
http://www.booklooker.de/xenna

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Summerhill1972
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von Summerhill1972 » Fr 16. Aug 2013, 15:33

d_r_m_s hat geschrieben:

P.S. was mir gerade noch einfällt ... es gibt da eine Metalllegierung, die auch gerne zur Täuschung Unwissender verwendet wird ... 'Neusilber' ... hat mit Silber nur vom Aussehen her etwas zu tun ...

und wie wird das Zeug international genannt ?

'german silver' ... :evil:

aber bei uns ist das natürlich etwas anderes ...
Das ist doch nicht diskriminierend, das hört sich doch richtig wertvoll an. :mrgreen:
Für Büchernarren

"Könnte man Menschen mit Katzen kreuzen, würde dies die Menschen veredeln, aber die Katzen herabsetzen." Mark Twain

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d_r_m_s
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Fr 25. Okt 2013, 09:12

aus aktuellem Anlass ... der Schwarze Peter ... ein Problem für die Vereinten Nationen ... :shock:

Bestandsaufnahme:
http://www.booklooker.de/app/result.php ... reis_total

Spiegel: Rassismusvorwurf: Uno fordert Ende des Nikolausfests in den Niederlanden
http://www.spiegel.de/panorama/sinterkl ... 29589.html

ganz so schlimm ist es zwar nicht, sie wollen ihm nur seine geschichtlich relativ jungen Begleiter wegnehmen ... zum Glück ist Knecht Ruprecht kein Schwarzer ... die Sache läuft übrigens schon seit Jahren:

Uni Münster: GESELLSCHAFT: „Zwarte Piet ist Rassismus“
http://www.uni-muenster.de/NiederlandeN ... piet.shtml

und was ist der Hintergrund ?

Presse: UNO gegen den „Schwarzen Peter“
http://diepresse.com/home/panorama/welt ... rzen-Peter
...
Die Figur soll laut einer Auslegung der Tradition daran erinnern, dass Spanien einst von Mohren (gemeint sind die Mauren) besetzt war. Damit aber sorgt der Zwarte Piet zusehends für Kritik: Die Figur sei rassistisch und erinnere an die Sklaverei, zumal sie auch als Sklave des weißen Nikolaus gesehen werden könne, meinen politisch korrekte Kritiker; tatsächlich ist Piet nach anderer Überlieferung ein von Sinterklaas befreiter Sklave
...
aber warum soll man sich an positive Interpretationen halten wie die Sklavenbefreiung ... dass nicht an die erste imperialistische Phase des Islam erinnert werden soll ist da schon verständlicher ... :twisted:
...
Manche Schulen knicken unter dem Druck bereits ein, etwa die Volksschule „De Blauwe Lijn“ in Amsterdam: Dort darf der Zwarte Piet heuer nicht mehr schwarz sein, sondern muss in den Farben des Regenbogens auftreten. Mancherorts darf übrigens selbst Sinterklaas auf seiner Mitra kein Kreuz mehr tragen, weil das Andersgläubige provozieren könnte.
also, wenn schwarz eine Verunglimpfung von Schwarzen ist, dann ist der Regenbogen eine Verunglimpfung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen ... schliesslich:
...
Der Zwarte Piet fungiert dabei, anders als der alpenländische Krampus, eher als Clown
...
und als Clown möchten sich ja die wenigsten dargestellt sehen ... hier ist es dann nicht einmal historisch ...

und nicht vergessen ... auch wenn wir anscheinend kein Problem mit Knecht Ruprecht haben ... in dem Kartenspiel hat der Schwarze Peter einwandfrei eine negative Bedeutung ... sofort verbieten (Bücher mit dem Titel natürlich auch) ! :P

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » So 15. Dez 2013, 19:55

es muss endlich aufgeräumt werden mit unserer Vergangenheit ... z.B. mit Michael Ende und gewissen Vorstellungen der Augsburger Puppenkiste:

Yahoo: "Wetten, dass ..?" spaltet Zuschauergemeinde
http://de.tv.yahoo.com/news/quot-wetten ... 21685.html
...
Saalwette.
Die Aufgabe: In Anlehnung an die Augsburger Puppenkiste sollten 25 Paare verkleidet als Lokomotivführer Jim Knopf und Lukas im Saal auflaufen. "Jim Knopf muss natürlich schwarz sein", so der Hinweis, "mit Schuhcreme, Kohle, was auch immer." Daraufhin hagelte es auf Twitter Kritik ... Solche rassistischen Inhalte seien in einer Sendung wie "Wetten, dass ..?" nicht tragbar
...
Wikipedia: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
http://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Knopf_ ... %C3%BChrer
'Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer' ist ein Kinderbuch des deutschen Schriftstellers Michael Ende aus dem Jahr 1960. Der Folgeband aus dem Jahr 1962 heißt 'Jim Knopf und die Wilde 13'
...
Beide Bücher gehören zu den erfolgreichsten und beliebtesten Kinderbüchern im deutschsprachigen Raum. Jim Knopf gewann 1960 den Deutschen Jugendbuchpreis sowie eine Würdigung in der Ehrenliste 1962[1] des Hans Christian Andersen-Preises
...
Die Insel Lummerland erhält eines Tages einen neuen Bewohner: Der Postbote bringt ein Paket, in dem sich ein kleiner schwarzer Junge befindet. Das kleine Waisenkind erhält den Namen Jim, weil es „genauso aussieht“
...
zugegeben, das mit dem armen Waisenkind per Post ist Klischee hoch drei, aber mit Rassismus hat das bisher wohl noch niemand in Verbindung gebracht ...

nachdem wir jetzt alle aufgewacht sind stellt sich die Frage, lässt sich der Deutsche Jugendbuchpreis nachträglich wieder aberkennen ?

und die teilweise Jahrhunderte alten Vorreiter dieser Auswüchse kann man dann auch gleich verbieten ... Material findet sich genug auf Wikipedia, auch unbekanntere Machwerke sind dort erfasst:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mohr
...
Giambattista Basile (1575–1632): Das Pentameron.
William Shakespeare: Titus Andronicus. Tragödie (zwischen 1589-1592) (der Mohr Aaron)
Friedrich Hildebrand von Einsiedel: Die Mohrin. Lustspiel. Übersetzung nach Terenz.
Ernst Lorenz Michael Rathlef: Die Mohrinn zu Hamburg. Tragödie, 1775.
Friedrich Wilhelm Ziegler: Die Mohrin. Schauspiel in vier Aufzügen, 1802.
Christian Dietrich Grabbe: Herzog Theodor von Gothland. (dort der Drahtzieher Berdoa), 1822.
Johanna Satori-Neumann: Die Mohrin. Roman, 1854.
Georg Horn (Schriftsteller): Der Mohr von Berlin. Roman, 1886.
Anton Ohorn: Der Mohr von Jena und andere Erzählungen. 1916.
Carry Brachvogel: Der Mohr der Dubarry. 1925.
Gertrud Fussenegger: Mohrenlegende. Eine Weihnachtsgeschichte. 1937.
Hermann Kesten: Der Mohr von Kastilien. Um die Krone. Roman, 1956.
Hans Dieter Schwarze: Der Mohr von Brandenburg. Komödie, 1960.
Werner Bergengruen: Die Schwestern aus dem Mohrenland. Erzählung, 1963.
Tankred Dorst: Die Mohrin. Theaterstück, 1964.
Ruth Hoffmann: Der Mohr und der Stern. 1966.
Gisela Frankenberg: Der blaue Mohr. 1968.
Lukas Hartmann: Die Mohrin. Roman, 1995
...
es gibt viel zu tun ... :roll:

Roland80
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von Roland80 » Mo 16. Dez 2013, 11:43

Auch wenn die Entrüstung groß ist, dass Wörter entfernt werden aus Büchern, aber man kann nun mal nicht verhindern, dass die Sprache sich verändert. Beispielsweise sehen einige (natürlich vor allem die jüngeren) in dem Wort Schlampe keinen unordentlichen Menschen, sondern sehen es als Beleidigung.

Allerdings spreche ich mich auch gegen eine Änderung der Bücher aus. Ist ja nicht so, dass man das seinen Kindern erklären könnte, oder?

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Di 22. Apr 2014, 20:37

Roland80 hat geschrieben:...
Allerdings spreche ich mich auch gegen eine Änderung der Bücher aus. Ist ja nicht so, dass man das seinen Kindern erklären könnte, oder?
denn die einzige mittelfristige Alternative besteht ja in der tatsächlich physischen Vernichtung (aka Bücherverbrennung) der alten, 'völlig unverständlichen' Literatur ... um die armen Kinderchen (ganz zu schweigen von den Erwachsenen der nächsten Generationen) nicht zu verwirren ...

ich habe den Bedeutungswandel vieler Worte immer spannend gefunden ... dazu gehört natürlich auch etwas Grips ...

aber nicht nur bei 'Unwörtern' wollen sie uns an die Sprache:

Focus: Gender-Wahnsinn! So will eine Berliner Uni unsere Sprache verunstalten
http://www.focus.de/familie/studium/com ... 89939.html
...
In der Broschüre werden unterschiedliche Praktiken „antidiskriminierender“ Sprache vorgestellt: Da ist die „a-Form“, die aus dem „Drucker“ („er!) den Frauen nicht mehr diskriminierenden „Drucka“ macht. Beispielsatz aus der Broschüre: „Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos unterwegs. Ea erfreut sich hoher Beliebtheit.“
...
mal abgesehen davon, dass ich diese Bevorzugung der 'a'-Endung als klassisch gebildeter Mensch als diskriminierend für den männlichen Bevölkerungsteil empfinde ... :wink:

und wenn schon, dann konsequent:

„Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos untawegs. Ea afreut sich hoha Beliebtheit.“

ein echtes Problem ist das 'er' in 'permanent', das ja selbst bei sehr laxer Aussprache nicht wie 'a' klingen will ... aber vielleicht geht ja 'pärmanent' ... :P

am Ende gilt dann, es schreibt wieder jeder, wie er will ... so wie im Mittelalter ... nur gendermässig rechtfertigen muss sich die Schreibweise lassen ... :mrgreen:

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Mo 16. Jun 2014, 14:34

und es geht weiter ... Politplatschquatsch hat eine Zusammenstellung der aktuellen Gendermöglichkeiten gefunden (leider bekommt man das als Tabelle hier nicht rein):

Sprache als Chance: Genderation X
http://www.politplatschquatsch.com/2014 ... ion-x.html

da gibt es schon interessante Sachen, z.B. für Studenten:

Studier*, Plural Studier**

und wie spricht man das bitte aus ?

vielleicht soll man aber auch gar nicht mehr miteinander reden ... gelungener ist da schon die bereits besprochene a-Variante, v.a. im Plural:

Mitarbeita, Plural Mitarbeitas

das kommt auch ganz antidiskriminierend dem Pidgin-Deutsch mancher Mitbürger entgegen ...

aber man muss noch viel weiter denken:
...
"In der Aufforderung‚ alle lesen bitte diesen Text zum nächsten Mal‘ ist beispielsweise vorausgesetzt, dass ‚alle‘ lesen können", prangern die Verfasser an. Da das zuweilen nicht der Fall sein muss, komme es nun darauf an, die NichtlesenkönnendX , die hier aufgrund ihrer Sonderbegabung des Nichtlesenkönnens diskriminiert werden, einzuschließen, indem sie sprachlich sonderbehandelt werden
...
mglw. wäre es sinnvoller, den Menschen Lesen beizubringen ... wo auch immer diese Aufforderung verwendet wird sollte das eigentlich vorher geschehen sein ...

und damit die gesellschaftlichen Umwälzungen auch ganz sicher funktionieren muss man immer früher anfangen:

Forscherin: Kinder können heute nicht mehr mit der Hand schreiben
https://de.nachrichten.yahoo.com/forsch ... 45836.html
...
Etwa 70 Prozent der Schüler brächten nach dem Kindergarten nicht mehr die nötigen motorischen Voraussetzungen für das sogenannte Kritzel-Alphabet mit, sagte die Nürnberger Bildungsforscherin Stephanie Müller der Nachrichtenagentur dpa. Diese zeichnerischen Elemente wie kleine Schleifen, Schlangen- oder Zickzacklinien seien die Grundlage für verbundene Schriften
...
und damit erledigt sich auch das Problem der Ausbildung einer persönlichen Handschrift, mit allen Folgen für die menschliche Entwicklung ... irgendwann, wenn alle nur noch mit beiden Daumen tippen, wird dann auch die Rechtschreibung global automatisch korrigiert, wäre mit Bleistift auf Papier ja undenkbar ... :P

aber was soll's, bei den Grenzwerten für Gifte legen wir die Latte höher, anderswo legen wir die Latte niedriger, irgendwo wird es sich schon ausgleichen:

Medien: Abiturleistungen werden immer besser benotet
https://de.nachrichten.yahoo.com/medien ... 54696.html
...
Der Anteil derer mit einen Abiturschnitt von 1,0 sei allein zwischen 2006 und 2012 um vierzig Prozent gestiegen ... Auch die Durchschnittsnote habe sich in dieser Zeit in den meisten Bundesländern verbessert
...
gleichzeitig klagen die Ausbilder über mangelnde Fähigkeiten ihrer Schützlinge, sich ausbilden zu lassen ... aber das betrifft sicher nur Haupt- und Realschüler ... demnächst kommen dann alle auf das Gymnasium, dann lösen sich auch alle Probleme von selbst ... :roll:

man soll ja nichts mit schlechten Absichten begründen, was auch mit Dummheit erklärbar wäre ... aber dieser geistige Dünnpfiff kommt zu einem guten Teil aus unseren Hochschulen, und da können die Urheber doch nicht sooo minderbemittelt sein ... oder ? :evil:

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Fr 16. Jan 2015, 09:45

ein halbes Jahr nix passiat ?

keine Sorge, es geht voran ...

ntv: "Absurde politische Korrektheit" - Briten werfen Schweine aus Kinderbüchern
http://www.n-tv.de/panorama/Briten-werf ... bile=false

ist ja ok wenn jemand kein Schwein essen will ... auch manche Christen halten es für ungesund ...

und im Netto hier in der Stadtmitte gibt es eine kleine Halal-Abteilung für die, die die Inhaltsangaben nicht lesen wollen oder können ...

entsprechend könnte man ja ein 'Halal'-Symbol auf Bücher drucken ... (v.a. auf Kochbücher ... :wink: )

aber zurück zur Literatur ... als genauso unrein wie Schweine werden von Muslimen Hunde empfunden ... nur, dass sie in unserer Kultur wenig Gefahr laufen, zufällig Hundefleisch vorgesetzt zu bekommen ...

wenn aber schon das Lesen des Tiernamens ein Problem ist, werden wir demnächst dann auch alle 'Hundebücher' irgendwie 'behandeln' müssen ...

andererseits ... ausser bei Taxifahrern, die keine Hunde mitnehmen wollen, hat es m.W. noch keine ernsthaften Probleme in der Richtung gegeben ... vielleicht sind Schweine in Literatur und bildender Kunst ja auch nur ein Scheinproblem ?

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abfm68
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von abfm68 » So 2. Aug 2015, 23:08

[quote="Bücherwurm14167"]Es ist sicher unvermeidlich, daß sich Sprache und Schrift (dass/daß) im Laufe der Zeit verändern. Dafür gibt es genügend Gründe in einer Welt, die sich durch gegenseitige Einflüsse auszeichnet.

Die Sprache ändert sich nicht.
Sie wird verändert.
Während das früher ein demokratischer Prozess war, getragen von den Sprechern, also den Stämmen und Völkern, regieren heute die Medien, also diejenigen, die Macht und Geld haben, Sprache zu veröffentlichen, über die Sprachentwicklung. Fernseh- und Rundfunksprech werden kopiert. Es hilft nur: nicht mitmachen.

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von Bücherwurm14167 » Do 6. Aug 2015, 23:16

abfm68 hat geschrieben:
Bücherwurm14167 hat geschrieben:Es ist sicher unvermeidlich, daß sich Sprache und Schrift (dass/daß) im Laufe der Zeit verändern. Dafür gibt es genügend Gründe in einer Welt, die sich durch gegenseitige Einflüsse auszeichnet.

Die Sprache ändert sich nicht.
Sie wird verändert.
Während das früher ein demokratischer Prozess war, getragen von den Sprechern, also den Stämmen und Völkern, regieren heute die Medien, also diejenigen, die Macht und Geld haben, Sprache zu veröffentlichen, über die Sprachentwicklung. Fernseh- und Rundfunksprech werden kopiert. Es hilft nur: nicht mitmachen.
Zunächst eine gute Nachricht für alle, die diesen alten Fred noch mittragen. Zum Leidwesen von Spiegel, Stern und einigen anderen mehr oder weniger interessanten Publikationen bleibt Jim Knopf in der Jubiläumsausgabe unzensiert und das für einige Zeitgenossen "pöse" N-Wort verbleibt im Text.

Im übrigen, denke ich, beides ist richtig.
So wie in der Politik und in anderen gesellschaftlichen Bereichen reicht nicht nur heutzutage eine kleine laute Minderheit aus, um Sprache zu verändern. Beispielhaft seien die ganzen Phobien, die es heute gibt (Homophobie, Islamophobie u.A.) genannt, mir fehlt noch der Begriff "Theophobie" für Atheismus. Suche noch Mitstreiter zur Verbreitung! :mrgreen:

Ich denke aber auch, daß sich Sprache nicht nur durch Menschen sondern auch durch Entwicklungen ändert. Irgendwo in diesem Thread nannte ich das Beispiel aus dem ollen Goethe seinen Faust. Wenn Städte nicht mehr durch Mauern geschützt werden (dieser Satz ist zwar doppeldeutig, soll aber nur in einer Bedeutung, nämlich der mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Bedeutung verstanden werden, insgesamt war er zu schade, um ihn wegzuwerfen :lol: ), mußte sich auch der Begriff des Wortes "Bürger" ändern oder komplett ersetzt werden. Daß dies letztlich auch auf menschliches Handeln zurückzuführen war, will ich dabei nicht bestreiten.

Daß Sprachentwicklung früher im Gegensatz zu heute ein demokratischer Prozeß war, ist m.E. auch nicht verallgemeinerungsfähig. Google nennt bei der Suche nach aus dem Duden gestrichenen Wörtern eine Menge, die mittlerweile auch ohne politischer oder publizistischer Obrigkeit aus dem normalen Sprachgebrauch und dann aus dem Duden verschwunden sind. Selbst in Wikipedia gibt es eine Seite, die unter Hinweis auf ein Lexikon der bedrohten Wörter dieser Sprachentwicklung gewidmet ist. Insoweit mag es demokratisch erscheinen, wenn Wörter verschwinden. Andererseits haben Wissenschaft, Politik und Dudenredaktion irgendwann zu verwendende Begriffe auch früher schon vorgegeben.

Chloroform - oder so - gehen wir sicher in der Frage der Akzeptanz. Ich finde es lustig, wenn ich heute auch von Jüngeren noch den Begriff "Bundesbahn" höre, wenn die Deutsche Bahn AG gemeint ist. Die Wörter "einzigste/r", "ebend" und andere sind wohl auch in 13-jähriger Bildungszeit nicht auszumerzen. Wobei sich dann hier die Frage stellt, ob Demokratie in der Verwendung von Sprache verallgemeinert wirklich geeignet ist oder ob sich diesbezüglich auch nur eine Minderheit in den Internetforen lauthals äußert. Gleiches gilt für die Verwendung des Konjunktivs bei indirekter Rede. Hier scheint auch eine gewisse Phobie zu herrschen - oder heißt diese Angst dann Konjunktivitis? :wink:
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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Mi 19. Aug 2015, 12:19

Bücherwurm14167 hat geschrieben:Zunächst eine gute Nachricht für alle, die diesen alten Fred noch mittragen. Zum Leidwesen von Spiegel, Stern und einigen anderen mehr oder weniger interessanten Publikationen bleibt Jim Knopf in der Jubiläumsausgabe unzensiert und das für einige Zeitgenossen "pöse" N-Wort verbleibt im Text
...
wird aber wohl in Zukunft in öffentlichen Bibliotheken dann nicht mehr geführt werden (dürfen):

Südkurier: Großes Bestürzen über Aussortierungsaktion in Bad Dürrheimer Bibliothek
http://www.suedkurier.de/region/schwarz ... 07,8079226
...
Außerdem sei das so genannte Wording, also die Formulierung, in einigen Büchern nicht zeitgemäß. Christina Kälberer nennt etwa das Wort „Neger“, das noch in Klassikern vorkomme
...
Tichys Einblick: Bücher müssen mal wieder brennen
http://www.rolandtichy.de/daili-es-sent ... en-wieder/

ob man wenigstens in Uni-Bibliotheken in Zukunft noch den originalen Jim Knopf bekommt ... zum Studium 'historischer Verwirrungen' ... :? :?:

auf dem Weg zu Fahrenheit 451 ... geht es nicht schnell genug mit der Verdrängung der Papierkultur durch die Cloud, in der einem bei manchen Systemen ja heute schon das offiziell gekaufte 'Buch' jederzeit wieder gelöscht werden kann ? :evil:

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von d_r_m_s » Do 20. Aug 2015, 15:54

Nachschlag ... die USA machen es vor, wir sollen es nachmachen ... klarmachen für die Teletubby-Gesellschaft:

Tagesanzeiger.ch: Jetzt kommt die Sprachpolizei
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/ame ... y/22631883
...
Ideen werden verboten, weil sie womöglich verletzend sind, Professoren beschuldigt, keine Rücksicht auf das emotionale Wohlbefinden ihrer Studenten zu nehmen ... Ziel der neuen Bewegung sei es, «den Campus in eine Sicherheitszone zu verwandeln, wo junge Erwachsene vor Ideen und Wörtern geschützt werden, die ihnen Unwohlsein bereiten»
...
wenn den angeblichen Bildungseliten nicht einmal mehr zugemutet werden kann, sich theoretisch mit unangenehmen Fakten zu beschäftigen (unangenehmer Praxis werden die meisten sowieso lebenslang aus dem Weg gehen), wer soll denn dann überhaupt noch komplexere Probleme lösen ?
...
«Mikroaggressionen». Sogar der Versuch, Mikroaggressionen zu definieren, kann zur Mikroaggression werden: Als die asiatisch-amerikanische Studentenvereinigung an der Brandeis-Universität nahe Boston in einer Installation auf dem Campus Mikroaggressionen gegenüber Studenten asiatischer Herkunft demonstrieren wollte – etwa «Du bist bestimmt gut in Mathe!» oder «Ich bin farbenblind, ich sehe keine Rassen!» –, empfanden entrüstete asiatisch-amerikanische Studenten die Ausstellung selbst als Mikroaggression
...
ja, geht's noch ?

muss ich in Zukunft als Deutscher beleidigt sein, wenn jemand zu mir sagt 'Du hast bestimmt Organisationstalent' ? :P

und dann verklage ich den ... auf einige Fantastillionen Schmerzensgeld ... :mrgreen:

da sehe ich nur eine Lösung ... sämtliche kulturellen Äusserungen müssen auf Teletubby-Niveau reduziert werden ... alles andere wird CO2-neutral entsorgt ... alle werden glücklich ...

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Re: Alte Bücher auf den Index!

Beitrag von Bücherwurm14167 » Fr 21. Aug 2015, 06:22

Vielleicht ist ein niedriges Sprachniveau mit den damit verbundenen Denkeinschnitten endlich der Schlüssel zur klassenlosen Gesellschaft! Ich halte das für doppelplus ungut! :wink:
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