Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

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Ojinaa
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Ojinaa » Mi 23. Jun 2010, 08:50

Nun ja, ein Krimi ist auch dann ein Krimi, wenn er platt und vorhersehbar ist. Also bitte tu mir den Gefallen und schade der SF (bzw ihrem Akzeptiertwerden) nicht noch dadurch, dass du den armen "Unwissenden" mit solchen handgestrickten "Definitionen" kommst. Kein Wunder, dass die Angst vor SF bekommen … ;)

Nein im Ernst: Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit mal eine Diskussion mit jemandem, der hartnäckig darauf bestand, SF sei nur, was eine zukünftige Gesellschaft entwerfe. Falscher ist eigentlich nur der Irrtum, SF sei "wissenschaftlich". Das Wesen der SF ist NICHT das Transportieren von Botschaft, die Darstellung des Konfliktes von Gut und Böse (dann wären an die 80 % aller Prosa-Belletristik SF!) oder dergleichen. Es ist auch nicht die Extrapolation von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu „was, wenn es angewendet wird?“. Alles 3s (Zukunftswelt, Gut/Böse, Extrapolation) sind Elemente, die in der SF vorkommen, aber nicht ihr Wesen.

SF ist ein formales Genre, nicht mehr und nicht weniger. So wie Krimi, Arztroman oder Fantasy. Und innerhalb des Genres gibt es von Trash über pure Unterhaltung bis "hohe Literatur" alles, was es in anderen Genres auch gibt. Wobei man zugeben muss, dass man in der SF öfter "hohe Literatur" trifft als bei Arztromanen. ;)

In Amerika und anderswo, wo man nicht so kategorisierungswütig ist wie bei uns, zählt, ob SF draufsteht (kann „hohe Literatur sein“ oder pure Unterhaltung, kann „1984“ sein oder eben auch „Star Trek“. Oder „X-Men“), bei uns wird von dieser Definition ausgegangen (die ich inhaltlich und werbestrategisch richtig gut finde) :
SF ist ein Bereich der Phantastik. Phantastik ist die Literatur (inkl. Film & Theater), in der Dinge geschehen, die im Hier und Heute (=„unsere Welt der Entstehungszeit“) nicht geschehen können. SF ist es dann, wenn dieses phantastische Element als naturwissenschaftlich bzw. technisch erklärt postuliert wird und/oder den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen von Hier und Heute nicht "nachweisbar"(*) widerspricht. Alles andere ist Fantasy (oder meinetwegen auch Phantastik).

* Es ist zum Beispiel „nachweisbar“, dass ein Mensch auf rein biologischem Weg nicht mit seinen Augen Laser verschießen kann oder sich selbst einfach so teleportiert (ergo ist X-Men z.B. kein SF, und wenn es die Amis tausendmal draufschreiben). Es erscheint uns heute extrem unwahrscheinlich, dass man je wird beamen können, aber zweifelsfrei nachweisbar ist das nicht. Es gibt auch sehr viele sehr gute Argumente gegen die Möglichkeit von Zeitreisen, aber auch diese Unmöglichkeit ist (heute) nicht naturwissenschaftlich nachweisbar. Telepathie ist – zumindest mit technischen Hilfsmitteln – inzwischen durchaus wissenschaftlich denkbar (und wenn man die entsprechenden Erkenntnisse „hochrechnet“ auch biologisch (nach Mutation?) nicht mehr so „unsinnig“, wie „aufgeklärte“ Menschen noch vor 50 Jahren felsenfest behaupten konnten).

Natürlich wird es immer Grenzbereiche geben. Einmal, weil der Autor selbst sich nicht recht festlegt, zum anderen, weil die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse schwanken und (vor allem auf „neuen Gebieten“) nicht immer so „wahr“ sind, wie wir es gern hätten.

* Dieser Punkt heißt auch, das Alternativwelt-Szenarien SF sind, denn es ist naturwissenschaftlich(!) nicht nachweisbar, dass z. B. Hitler nie hätte ermordet werden können, da Vincis Erkenntnisse nicht seine Zeit viel stärker hätten prägen können oder dass der Ostblock zerbrechen musste.
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Ojinaa » Mi 23. Jun 2010, 09:01

PS: Die Erhebung von HdR und die Abqualifizierung von ST beruht wohl doch eher auf persönlichen Sympathien und Antipathien als auf Fakten.
Soweit ich "weiß", hat Tolkien einfach nur eine andere Welt schreiben wollen (*) und ST durchaus kritisch Bezug auf die damalige Gegenwart genommen.
So wie HdR (bei der Steilvorlage kein Wunder) zu Unterhaltuns- und Weltflucht-Fantasy verwurstet wurde, wurde auch ST ab dem zweiten Anlauf schnell kommerzialisiert.
(* HdR wäre nicht der erste Fall und wird nicht der letzte sein, wo man später Dinge rausliest, die der Autor nie {bewusst} reingeschrieben hat. Wäre es Tolkien wirklich um diese "Analyse" gegangen, hätte er sicher nicht so viel Aufwand beim Entwerfen all der typischen Fantasy-Elemente betrieben.)
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Mary
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Mary » Sa 10. Jul 2010, 20:02

@Ojinaa

ich finde das alles hast Du sehr gut formuliert und auf genau die wichtigen Punkte gebracht. Außerdem mir ganz aus dem Herzen gesprochen.


@Aeria (auch wenns schon ein Weilchen her ist...)
Die "Barrayar"-Reihe ist erstklassige SF.
sag ich doch!
Als "reine Unterhaltung" sehe ich die nicht. Andere Leser wohl auch nicht, die Reihe ist immerhin eine der erfolgreichsten in diesem Genre.
Das eine verhindert das andere nicht. Und ich mag Unterhaltung, hauptsächlich mein Grund zu lesen. Bujold finde ich eben Unterhaltung vom allerallerfeinsten. (Hab alle Barrayer-Romane und mehr von ihr (zuletzt die Quaddies von Cay Habitat erbeutet und verschlungen)) Also nicht böse sein wegen meiner Aussage - bin selber ein Riesenfan.

Schönen Restsamstag und einen kühleren Sonntag wünscht
Mary
Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten schön ist, ohne dass man auch noch glauben müsste, dass Feen darin wohnen?- Douglas Adams

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Jehane » Do 12. Mai 2011, 12:30

SF steht auf meiner Leseliste nicht besonders weit oben, es kommt aber auch immer darauf an, um welches Buch es sich handelt. "Eden" von Stanislaw Lem fand ich z.B. sehr spannend, während ich "Dune" von Frank Herbert nach der Hälfte entnervt beiseite gelegt habe - ich fand es einfach fürchterlich langweilig, und das, obwohl ich den Film sehr mag und die Geschichte an sich sehr interessant finde. Nur das Buch hat für mich überhaupt nicht funktioniert.

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Annika » Mi 13. Nov 2013, 05:45

Ich bin Sci-Fi allgemein auch nicht abgeneigt aber sicher ist es nicht mein Hauptlesestoff.
Ein Trekie bin ich bei weitem nicht denn bei Star Wars/Star Trek hört es bei mir auf. :)

Überblättert
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Überblättert » Mi 13. Nov 2013, 19:46

meine Mutter hat immer gern Star Trek Romane gelesen und hat Data im Fernsehen vergöttert... ich denke, es gibt einfach zu wenig gute, hochwertige Sci-Fi-Romane die heutzutage neu veröffentlicht werden. Das meiste is dann doch eher Schund oder ?

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Cato der Ältere » Fr 20. Dez 2013, 23:46

Einige Frauen haben hier ja schon gesagt, dass sie durchaus SF lesen, aber insgesamt würde ich schon vermuten, dass insgesamt weniger Frauen SF als Männer lesen, und zwar weil SF immer ein wenig technik- und/oder actionlastig sind, und das sind nun mal nicht die Dinge, die die Mehrheit der Frauen extrem begeistern.

williwu
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von williwu » Sa 21. Dez 2013, 09:51

Als ich ein Kind war, fanden viele ihren kindgerechten Einstieg in die SF-Materie mit der "Raumschiff Monitor"-Buchreihe von Rolf Ulrici. Da gab es den fast übergeschlechtlichen aber im Kern doch maskulinen Prof. Charivari, der jede Menge Mitarbeiter, aber keine einzige Mitarbeiterin hatte. Die zugehörige Jugendbande bestand aus Marcel (=Superhirn), einem 14-jährigen Genie, Henri, Gerard, Prosper und - jetzt kommt's - einem Mädchen namens Tati. Die kümmerte sich um den noch kleinen Bruder Micha und den Hund (den Namen weiß ich jetzt nicht mehr), das Essen und das Putzen. Ansonsten bestand ihre Funktion darin, sich von den Jungen die Welt erklären zu lassen.

Wäre ich damals ein Mädchen gewesen, hätte ich mich so wohl nicht vom SF anfixen lassen. Das gilt auch für die Bücher von C. V. Rock, die ich als Kind gerne gelesen habe: Die Helden sind Weltraumcowboys, die Bösewichter fangen und anderer Menschen Leben retten, insbesondere die von hübschen jungen Frauen, gerne auch in Form von außerirdischen Prinzessinnen, die natürlich zuvor entführt wurden.

Auch die inhaltlich hochwertigen SF von John Christopher kennen eigentlich keine Mädchen oder Frauen in relevanten, gar heldenhaften Rollen.

Oder die streng wissenschaftlich ausgerichteten Bücher von Robert Brenner. Der Held ist ein Lee Casimir, es tauchen jede Menge andere Menschen auf, fast immer Männer. Ach ja, Casimir ist verlobt, in eine Raumstewardess namens Iris, deren Hauptaufgabe ist, der immer wieder verschobenen Hochzeit geduldig zuzustimmen.

Angesichts solcher literarischen Einstiegsdrogen wurden früher Mädchen und junge Frauen sicher nicht süchtig nach Zukunftsversionen, die sie immer noch als duldsame Heimchen am hochtechnischen computergesteuerten Herd sahen. Im Krimi konnten Frauen oder Mädchen schon früh Detektivin sein (man denke nur an "Nancy Drew"), und wenn auch noch nicht die Kommissarin, so doch wenigstens die Mörderin.

Da hat sich viel geändert seitdem. Vielleicht das Vorurteil, das SF nichts für Frauen ist, jedoch noch nicht so richtig bei der Masse der Leser.

Zu der Diskussion, was eigentlich ein SF ist und wo Fantasy anfängt: Kann man sicherlich streiten. Für mich persönlich gehört zum Bereich SF eigentlich nur die sog. "harte" SF, also Geschichten, die weitestgehend wissenschaftlich möglich bis wenigstens nicht komplett unmöglich sind. Falkenmenschen, die zwischen den Planeten herumfliegen, sind mE ein typisches Merkmal von Fantasy, also etwa "Flash Gordon". Auch Star Wars ist wohl mehr Fantasy als SF (was ja George Lucas selbst zugibt, und der muss es schließlich wissen). Allerdings HdR mehr als SF und ST mehr als Fantasy zu sehen, geht mMn völlig an jeglicher Logik vobei. Immerhin steht das S für "Science". Inwieweit Uto- und Dystopien ebenfalls unter SF subsumiert werden können, ist eine akademische Frage, die mich nicht mehr interessiert.

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Speireata 4 » So 15. Nov 2015, 19:04

Also ich lese auch Science Fiction, aber ich mag es nicht, wenn die Handlung für mich zu abstrus ist. Mal als Beispiel: Bücher in denen Menschen ein galaktisches Imperium aufgebaut haben. Ich denke dann automatisch: Ja klar, wir kommen noch nicht mal zum Mars und schaffen es noch nicht mal, auf der Erde Alle unter einen Hut zu bekommen, aber klaaaaar, ein galaktisches Imperium.
Der zweite Abschrecker ist, wenn bescheuertes Technikgelaber zu dominant ist. Klar, manche interessiert brennend, dass die Feinde mit Doppelwarp-Supierionenkanonen besiegt wurden. Ich persönlich kann mir unter sowas überhaupt nichts vorstellen und besonders wissenschaftlich klingt das auch nicht.
Liebe Grüße.

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alura*
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von alura* » So 22. Nov 2015, 19:53

Eigentlich lese ich schon immer SF und meine, wenige Jahre ältere, Tante hat das schon während meiner Kindheit getan. Sie besaß sogar das Raumpatrouille-Kartenspiel ;-)
Meine SF-Begeisterung began so richtig mit einem Terra Heft, welches von Marion Zimmer Bradley geschrieben war. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich geglaubt, Frauen schreiben keine SF !
Dass Frauen weniger SF lesen hängt für mich damit zusammen, dass SF bei Kindern und Jugendlichen den Nimbus des Jungenromans hatte. Solche Bücher wurden den Jungen geschenkt und deshalb lehnten Mädchen SF teilweise dann so ab wie Jungen Liebesromane. In meinem Umfeld war das überwiegend so. Mädchen war der Zugang zur SF damit teilweise verbaut.
Marion Zimmer Bradley beschrieb das so ähnlich in einem Interview und kam zu dem Schluss, dass gerade Star Trek das in den USA geändert habe, da in den 60ern nur ein TV-Gerät pro Haushalt existierte, und die Familie gemeinsam Star Trek anschaute.
Da die Enterprise, dank Lt.Uhura und Lt.Chapel keine reine Männergesellschaft war, gab es obendrein Identifikationsfiguren. In den USA ist der weibliche Anteil des Fandoms recht groß.

Bei Büchern könnte ich mir vorstellen, dass die frühere Titelbildpolitik der SF-Verlage nicht gerade auf Frauen zugeschnitten war. Ganz im Gegenteil, ich finde einige ältere Cover sehr abstoßend und habe mich oft gewundert, warum der Moewig-Verlag immer barbusige Frauen auf Covern von Marion Zimmer Bradley Romanen drucken ließ. Anfang der 90er änderte sich das (vergleicht mal verschiedene Ausgaben!), die 2000er Ausgabe von "die blutige Sonne" ist deutlich mehr geeignet, Frauen zu animieren, das Buch in die Hand zu nehmen als die 1982er Ausgabe.

LG

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von williwu » So 22. Nov 2015, 21:22

Ohne darüber geforscht zu haben, denke ich, dass es eine Imagefrage ist. Die Blütezeit der SF waren die 40er und 50er des letzten Jahrhunderts. In den Filmen der Zeit brauchte man Frauen, um sie schön laut kreischen und die Hand entsetzt vor dem Mund schlagen zu lassen. Oder als sexy außerirdische Weltraumkaiserin oder Ähnliches. In einer Welt ohne Polizistinnen und Feuerwehrfrauen waren eben auch Astronautinnen undenkbar. Dabei gab es schon immer vorsichtige Ausnahmen: In den Filmen "Tarantula" und "Formicula" zB waren es wenigstens Wissenschaftlerinnen, die ihren bescheidenen Beitrag leisten konnten - wenn man diese Filme auch als SF sehen will. Na ja, Fiction war es und Science kam reichlich vor. In den SF.Filmen des damaligen Ostblocks spielten Frauen übrigens eine weit größere Rolle.

In den Romanen war es nicht anders, und das schlug sich auch auf den Covern nieder. Dabei wurden auch die "besseren" SF zuerst in Magazinen veröffentlicht, und die mussten eben die männlichen Käufer anlocken. Das besorgten die nicht so guten Geschichten, die nichts anderes waren als Western, welche in der Zukunft spielten.

Inwieweit "StarTrek" daran etwas geändert hat, weiß ich nicht (Uhura und Chapel hatten ja nicht gerade Führungspositionen im Vergleich zu Kirk und Co. inne), bei "Raumpatrouille gab es wenigstens eine Admiralin und eine Sicherheitsoffizierin. Auch in Kinder- und Jugend-SF war es bis Ende der Siebziger nicht anders (siehe zB die Bücher von Robert Brenner um seinen Helden Lee Casimir und dessen Dauerverlobte, die nichts anderes zu tun hatte als auf ihn zu warten, C. V. Rock, dessen Helden irgendwelche Prinzessinnen oder Weltraumpiratinnen mit schlechtem Gewissen zu retten hatten, und auch die Monitor-Reihe von Rolf Ulrici, in der es nur ein Mädchen gibt, das vor allem auf den kleinen Bruder aufpasst und überall sauber macht; sogar bei Mark Brandis tauchen fast nur Männer auf).

Als sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft änderte und sich das auch in den SF hätte niederschlagen können, da lag das Genre am Boden. SF wurde bestenfalls durch Dystopien abgelöst, in denen es schon jeher starke Frauentypen gab. Irgendwie hat sich da keine Renaissance ergeben.

Im Filmbereich haben sich die SF den Gegebenheiten angepasst, natürlich wieder als Spiegelbild der aktuellen Gesellschaft. Es gibt einige Heldinnen (zB "Gravity" mit Sandra Bullock), eine paritätische Besetzung gibt es wohl noch nicht - so wie bei den realen Feuerwehrfrauen auch nicht. Die wenige moderne SF-Literatur ist da in er Regel schon weiter.

Irgendwie hat früher die SF Frauen nicht interessiert, weil sie eindeutig für Männer geschrieben war. Als SF mehr und mehr durch Fantasy und Mischformen wie "Star Wars" ersetzt wurde, schien das sowieso Frauen mehr zu liegen (natürlich mit Ausnahme der Conan- oder der Gor-Reihe).

Eigentlich komisch: Heutzutage gibt es bereits viele Astronautinnen, auch Kommandantinnen. Wir machen uns auf, den Mars zu besuchen und es gibt bis zu den transneptunischen Objekten jede Menge Weltraum zu entdecken - und die Menschen werden das auch irgendwann tun. Eigentlich die richtige Zeit für neue SF, die sowohl von Frauen wie Männern geschrieben und gelesen oder gesehen werden könnte. Im Kinder- und Jugendbereich hat Andreas Eschbach mit seinem "Marsprojekt" schon mal damit angefangen.

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von Ojinaa » Mo 23. Nov 2015, 08:34

Ich muss mal widersprechen: Diese „neue“ SF gibt es längst, auch wenn es – zumindest was das Schreiben angeht - noch keine 1:1-Mischung gibt. Die gibt es bei Liebesromanen und Fantasy allerdings auch nicht und niemand stört sich daran.
Wenn man auf SF-Treffen geht, befindet man sich durchaus nicht in einer puren Männerwelt (auch vor 20 Jahren nicht, wenn ich so an meine ersten Elstercons denke*). Es gibt SF-Autorinnen (wobei nicht alle so genannt werden wollen, das gibt's aber auch bei Männern) und inzwischen auch eine erkleckliche Anzahl SF-Filme und -Serien mit weiblichen Hauptfiguren …
SF als Konsum-Genre mag (im Westen*) früher für Männer geschrieben worden sein, SF-"Literatur" hat sich nur selten so eingeschränkt. Z. B. haben Lem und die Strugazkis ihre Gesellschaftsspiegel für die Menschen geschrieben, nicht für die Männer.

* Bei der Früher-Betrachtung muss man zwischen Ost und West unterscheiden und (bis heute) wohl auch zwischen USA und Europa. Aber das würde hier zu weit führen …
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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von williwu » Mo 23. Nov 2015, 12:53

Ojinaa hat geschrieben:Ich muss mal widersprechen: Diese „neue“ SF gibt es längst (...)
Du hast Recht, ich habe mich schlecht ausgedrückt. mit dem Satz
williwu hat geschrieben:Eigentlich die richtige Zeit für neue SF, die sowohl von Frauen wie Männern geschrieben und gelesen oder gesehen werden könnte. Im Kinder- und Jugendbereich hat Andreas Eschbach mit seinem "Marsprojekt" schon mal damit angefangen.
meinte ich, dass die Zeit wieder reif ist für SF als verbreitete Literaturgattung.
Ojinaa hat geschrieben:Wenn man auf SF-Treffen geht, befindet man sich durchaus nicht in einer puren Männerwelt (auch vor 20 Jahren nicht, wenn ich so an meine ersten Elstercons denke*). Es gibt SF-Autorinnen (wobei nicht alle so genannt werden wollen, das gibt's aber auch bei Männern) und inzwischen auch eine erkleckliche Anzahl SF-Filme und -Serien mit weiblichen Hauptfiguren …
Das steht ja nicht im Widerspruch zu dem, was ich geschrieben hatte. Nur, dass ich nicht die eigentlichen Fans meinte, sondern die breitere Leser- oder Zuseherschaft. SF hat nicht mehr den Stellenwert, den sie hatte, als es in den Zeitungen noch "Buck Rogers" und "Flash Gordon" (in Deutschland Hansrudi Wäschers "Nick") zu lesen gab, als an jedem Kiosk in den USA diverse SF-Magazine laufend verkauft wurden, in einigen Zeiten besser als die Crime-Magazine. Oder als in Westdeutschland große Publikumsverlage eigene SF-Reihen hatten, die mehrere Auflagen erreichten - nicht nur Perry Rhodan.

Dass im Ostblock die Rolle der Frauen im SF anders gesehen wurde, sagte ich ja auch, ansatzweise ...

Heute ist SF weitgehend eine Sache der Szene, von Leuten auf irgendwelchen SF-Treffen und von Spezialverlagen. Was ich mir wünschte, wäre eine auch geschlechtermäßig zeitgemäße Literatur von der Art, wie Clarke, Asimov und andere sie für die breite Öffentlichkeit geschrieben haben. Ich wünsche mir Buchhhandlungen, in denen SF nicht unter einem Berg von Fantasy verschämt in einem einzigen Stellregal stehen (und 90% davon sind die silbernen "Perry Rhodan"-Bücher, Filmromane von "Star-Trek" über "Star-Wars" und "Armageddon"), sondern eine eigene, gut sortierte und vorteilhaft präsentierte Rubrik bilden. Und ohne den offensichtlich ständig als Qualitätsbeweis empfundenen dystopischen Ansatz beinhalten zu müssen. Das würde auch einen Bodensatz von leicht konsumierbarer Trivialliteratur erfordern, wie es ihn früher im Bereich der Groschenhefte oder Leihbücher gab, um den Boden dafür zu bereiten.

Und wenn dann Leserinnen auch die aktuelle Frauenrolle im SF honorieren, dann sollte das Phänomen, wenn es denn überhaupt stimmt, überwunden werden. Ich bin übrigens zur SF gekommen durch eine Freundin, die eine bemerkenswerte Bibliothek alter Leihbücher besaß. Und meine erste SF-Geschichte habe ich in "Earth rocks" veröffentlicht durch meine Bekanntschaft mit der Chefredakteurin - in der Geschichte wurde das Raumschiff übrigens von einer Kommandantin geführt.

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von abfm68 » So 3. Apr 2016, 01:54

Ich habe das Gefühl, die angeblich geringere SF-Folgschaft des weiblichen Geschlechts wird hier teilweise aus einer "wohlwollenden" männlichen Sicht erklärt, deren Inhaber gar nicht bemerken, wie ignorant sie ist.

Natürlich lehnen Frauen SF ab, weil sie so technisch ist - da wundert sich die Ingenieurin. Natürlich lehnen sie SF ab, weil so viele Männer darin vorkommen. Frauen sind nämlich offenbar etwas beschränkt und können nur über ihr eigenes Geschlecht lesen, hm? Wir Männer dagegen lesen ganz gerne Geschichten von bzw. über Frauen.
Und ein nackter Busen? Wie schrecklich! Keine Frau rührt das Buch mehr an; sie ist entsetzt vom "Sexismus" (Diskriminierung eines Geschlechts, wenn der weibliche Körper verherrlicht wird?) Wir Männer würden wahrscheinlich auch kein Buch lesen, auf dem ein nackter Mann abgebildet ist. Ih pfui!

Ich hoffe, man erahnt, wann ich ironisch und wann seriös war.

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Re: Warum lesen Frauen keine Science-Fiction?

Beitrag von williwu » So 3. Apr 2016, 10:18

abfm68 hat geschrieben:Ich habe das Gefühl, die angeblich geringere SF-Folgschaft des weiblichen Geschlechts wird hier teilweise aus einer "wohlwollenden" männlichen Sicht erklärt, deren Inhaber gar nicht bemerken, wie ignorant sie ist.

Natürlich lehnen Frauen SF ab, weil sie so technisch ist - da wundert sich die Ingenieurin. Natürlich lehnen sie SF ab, weil so viele Männer darin vorkommen. Frauen sind nämlich offenbar etwas beschränkt und können nur über ihr eigenes Geschlecht lesen, hm? Wir Männer dagegen lesen ganz gerne Geschichten von bzw. über Frauen.
Und ein nackter Busen? Wie schrecklich! Keine Frau rührt das Buch mehr an; sie ist entsetzt vom "Sexismus" (Diskriminierung eines Geschlechts, wenn der weibliche Körper verherrlicht wird?) Wir Männer würden wahrscheinlich auch kein Buch lesen, auf dem ein nackter Mann abgebildet ist. Ih pfui!

Ich hoffe, man erahnt, wann ich ironisch und wann seriös war.
Wenn das alles ist, was du in den bisherigen Beiträgen gelesen hast, dann liest du aber sehr oberflächlich. Bist du sicher, dass du allein anhand der Nicknames überhaupt immer richtig auf das Geschlecht der Schreiber geschlossen hast? Vielleicht wurden einige Beiträge aus der Sicht, die du männlich nennst, ja auch von Frauen verfasst.

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