Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

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Paprika
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Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von Paprika » Sa 18. Jul 2015, 08:40

Hallo,

ich habe seit Monaten ein quasi fertiges Manuskript in meiner virtuellen Schreibtischschublade liegen und spiele mit dem Gedanken, es an Verlage zu schicken. Ich habe mich in den letzten Wochen intensiv informiert und die normale Prozedur - also Manusprikt an Verlage schicken, die eh schon total überrannt werden und Absagen einkassieren - finde ich eher ermüdend und nicht sehr motivierend. Ich habe mich deshalb über Alternativen informiert, mittlerweile gibt es ja einige Möglichkeiten, wie man zu seinem Buch kommt. Ich bin dabei u.a. auf den Novum Verlag gestoßen, der speziell Neuautoren ein Chance gibt. Hier beteiligt man sich mit einem Zuschuss, allerdings wird in diesem Artikel (klick: http://blog.novumverlag.com/2015/07/gut ... /#more-232 ) erklärt, dass der Verlag für den Druck aufkommt und man lediglich für Lektorat, Marketing usw. bezahlt. Demzufolge ist es also kein klassischer Druckkostenzuschussverlag. Wenn ich selbst veröffentlichen würde, müsste ich mich ja auch vorher um einen Lektor bemühen, diesen bezahlen, und dann noch die Druckkosten selbst tragen und vor allem schauen, dass ich mein Buch an den Mann bringe. Mir scheint die Idee des Novum-Verlags deshalb nicht so abwegig. Was meint ihr dazu? Habt ihr Erfahrungen mit diesem Verlag gemacht?
Freue mich über Berichte!

williwu
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von williwu » Sa 18. Jul 2015, 13:05

Dieses Thema haben wir schon so oft gehabt.

Es ist doch vollkommen Banane, wofür du bezahlst, ob nun für Druckkosten oder für ein womöglich überteuertes Lektorat. Es gab auch einen Pseudoverlag, der stattdessen teure Selbstmarketingverlage vermittelte und sich durch die Vermittlungsprovisionen finanzierte. Und die haben einen Mist produziert ... Wie man bezahlt, ist also egal, der Knackpunkt ist, dass man als Autor bezahlt - ob nominal für en Druck oder irgendetwas anderes. Egal ob du Süßigkeiten kaufst oder Zigaretten, dein Portmonee ist am Ende leerer. Deshalb sollte man korrekterweise nicht von DKZ-Verlagen sprechen, sondern von Bezahlverlagen.

Die Welt ist voll von Büchern, bei denen der Autor für ein teures Lektorat gezahlt hat und bei denen man das Buch bereits beim ersten Satz in die Ecke knallt, weil entweder kein Lektor, jedenfalls kein fähiger, das Manuskipt in den Händen gehabt hat.

Was das Marketing angeht: Wie oft hast du schon von dem Verlag gehört? Kennst du irgendwelche verlagsorganisierte Marketingmaßnahmen? Wie teuer mag es sein, ein Buch mit einem kleinen Text auf eine Homepage des Verlags zu stellen (ich mache das beruflich und weiß, dass das nicht der Rede wert ist)? Die lokale Presse verlangt auch nichts dafür, mal einen kleinen Artikel abzulassen. Warum sollst du teuer bezahlen, was du für wenig Geld selbst tun kannst?

Ein selbst beauftragter Lektor ist teuer, aber wenn du einen guten auswählst, dann bekommst du eine ehrliche, unabhängige Leistung. Ein richtiger Verlag übernimmt deshalb die Kosten des Lektorats, entweder, weil der Lektor beim Verlag angestellt ist oder er beauftragt einen freiberuflichen Lektor.

Man kann das auch nicht mit einer selbst finanzierten Veröffentlichung vergleichen: Da hat man als Autor alles selbst in der Hand, Auswahl des Lektors, Auswahl der Vertriebsform. Warum Druckkosten, wenn man doch auch ein Buch als E-Book veröffentlichen kann? Und wenn Papierbuch, warum dann nicht den Käufer diese gleich bezahlen lassen, beim PoD-Verfahren zum Beispiel - das kostet nur einen Bruchteil dessen, was ein Bezahlverlag verlangt?

Die allererste Frage aber ist wieder einmal: Geht es dir darum, für ein geschriebenes Buch als Autorin anerkannt zu sein oder willst du vor allem ein Buch veröffentlichen, das deinen Namen als Autor(-in) trägt, egal, wie es tatsächlich einzuordnen ist? Bei der ersten Antwort solltest du auf jeden Fall erst einmal arrivierte echte Verlage bemühen, bei der zweiten mach es einfach billig.
Zuletzt geändert von williwu am Sa 18. Jul 2015, 14:27, insgesamt 2-mal geändert.

jimi hendrix
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von jimi hendrix » Sa 18. Jul 2015, 13:11

google mal: novum verlag erfahrungen

sieht nicht so gut aus

Paprika
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von Paprika » Di 28. Jul 2015, 23:16

Hallo,

danke für eure Antworten!
Habe schon auf Google gesucht aber die Erfahrungsberichte sind eben alle schon älter. Wollte gerne was Neueres lesen.
Williwu: Ich würde mir diese Option einfach offen halten. Natürlich würde ich es auf dem klassischen Weg auch versuchen, aber ich sehe die Chancen da einfach relativ gering. Habe eine Bekannte die wie ich neidlos zugeben muss wirklich super schreibt und die kommt schon länger an keinen Verlag ran.. verstehe wer will. Habe mir einfach gedacht dass ich bei der Option von der Erfahrung und des Know-How vom Verlag profitieren kann - von Marketing zb. hab ich persönlich nämlich keine Ahnung. ;)

Lg

williwu
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von williwu » Mi 29. Jul 2015, 10:20

Paprika hat geschrieben:Ich würde mir diese Option einfach offen halten. Natürlich würde ich es auf dem klassischen Weg auch versuchen, aber ich sehe die Chancen da einfach relativ gering.
Aber warum eigentlich? Weil du dein Buch unbedingt gedruckt sehen willst? Oder weil du es für so gut hältst, dass du überzeugt bist, die Kosten und einen netten Gewinn auch bei diesem Verlag mit zumindest zweifelhafter Reputation herauszuholen? Bedenke, viele Leser kaufen schon deshalb keine Bücher von Bezahlverlagen, weil die einfach alles drucken, auch einfach jeden Mist. Und weil sie auch meistens mehr als doppelt so teuer sind, wie vergleichbare Bücher in arrivierten Verlagen - das muss man ins Kalkül ziehen, denn diese Verlage zielen als Buchkunden vor allem auf Bekannte, Freunde und Verwandte des Autors. Und bedenke auch: Sogar wenn dein Buch einigermaßen gut ist, wirst du wahrscheinlich nach der ersten Inanspruchnahme eines Bezahlverlages keine Chance mehr haben, weitere Projekte bei seriösen Verlagen unterzubringen, als Autor/-in bist du dann verbrannt ...
Habe eine Bekannte die wie ich neidlos zugeben muss wirklich super schreibt und die kommt schon länger an keinen Verlag ran.. verstehe wer will.
Bestimmt kennst du den Spruch, dass man als Autor nichts auf das Urteil von Bekannten, Freunden, Verwandten geben soll. Diese werden nämlich dein Werk besser beurteilen, nicht nur, weil sie dir nicht weh tun möchten, sondern einfach schon deshalb, weil sie dich kennen und - auch unbewusst - besser beurteilen, als das Werk es womöglich verdient. Genau so ist es möglich, dass auch du das Werk deiner Bekannten entsprechend weniger kritisch beurteilst, als du es sonst tun würdest. Und wie ist das Stehvermögen? Hat sie wirklich bis zu 30, 40 Verlage angeschrieben, um gerade den zu finden, der noch Kapazitäten frei hat, genau in diesem Genre sucht und veröffentlicht usw.
Habe mir einfach gedacht dass ich bei der Option von der Erfahrung und des Know-How vom Verlag profitieren kann
Wie viel Erfahrung hat wohl ein Verlag, der die Bücher ja nicht an den Leser, sondern nur an den Autor bringen muss? Und welches Know-How setzt der wohl ein? Das, den Autor zu überzeugen, oder das, ein gutes Werk zu erkennen, das marktbeständig ist?
- von Marketing zb. hab ich persönlich nämlich keine Ahnung. ;)
Bezahlverlage in der Regel auch nicht.

Trotzdem: Viel Erfolg, so wie du ihn für dich definierst.

Björn
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von Björn » Do 30. Jul 2015, 18:41

Hallo Paprika,

ich könnte dir hier jetzt einen ganzen Roman zu der Thematik Erfahrungen mit Verlagen, dem Buchmarkt insgesamt und auch den sogenannten Bezahl"verlagen" schreiben. Zunächst kann ich dir auch nur raten, die Finger vom Novum Verlag und seinesgleichen zu lassen. Wenn du unbedingt Geld loswerden willst, dann spende es lieber einer Hilfsorganisation etc. Als Alternative zum langen und mühevollen Weg, einem richtigen Verlag zu finden, kann ich dir das Selbstpublizieren (z. B. über Amazon Create Space) empfehlen.

Das ist eine Möglichkeit, das gedruckte Buch in die Hand zu bekommen. Natürlich bedeutet das im Anschluss eine Menge Arbeit in Bezug auf Werbung und Selbstvermarktung. Aber neben der sicherlich reichlichen Arbeit und Zeit, die das kostet, ist es auch eine schöne Nebenbeschäftigung, solange man das Schreiben als Hobby betrachtet. Zudem lernt man eine Menge über besagten Buchmarkt.

Das ist natürlich keine Option, wenn du (wie leider so viele Autorenkollegen) vor hast, irgendwann mal vom Schreiben zu leben. Dazu kann ich dir jedoch sagen - ohne dir vielleicht den Traum nehmen zu wollen: Vergiss es!

So viel dazu. Ich hoffe, dass ich dir nicht den Mut genommen sondern eher eine Anregung gegeben habe, die du vielleicht in Betracht ziehst. Aber bitte wirf dein Geld nicht den Pseudoverlagen in den Rachen.

Viele Grüße
Björn Harmening
Politiker und Babywindeln haben eins gemeinsam: man muß sie aus dem gleichen Grund wechseln!

EmmaBz
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von EmmaBz » Fr 31. Jul 2015, 11:43

Im Grunde hast du drei Möglichkeiten, du findest einen klassischen Verlag, publizierst selbst oder gehst zu einem Verlag mit Druckkostenbeitrag.
Alle drei Varianten haben ihre Nachteile:

klassischer Verlag:
Als unbekannte Person die ihr erstes Buch schreibt, kannst du es quasi vergessen, die Verlage werden überrannt mit Manuskripten und selbst wenn dein Buch extrem gut ist verbringst du so viel Zeit auf der Suche nach einem Verlag, da geht dir leicht mal die Motivation aus. Das kann Jahre dauern.

Self-Publishing:
Für einen unerfahrenen Autor sicher keine leichte Aufgabe, du musst alles selbst machen und du kennst den Markt noch nicht so gut, nehme ich jetzt einfach mal so an, entschuldige wenn doch. Es ist sehr zeitintensiv, also wenn du nebenbei noch einer geregelten Arbeit nachgehst und dann vielleicht auch noch Kinder zu Hause hast muss dir dein Hobby wirklich viel Spaß machen, den dann arbeitest du dann bis spät in die Nacht. Zahlen musst du auch alles selbst und wie schon oben erwähnt ist das auch nicht ganz billig.

Verlag mit DKZ:
Eines vorweg, sicher ist ein klassischer Verlag die beste Lösung für einen Autor, wer will schon für etwas freiwillig bezahlen, ich sehe es aber nicht ganz so negativ wie die Meisten im Bezug auf eine Veröffentlichung bei einem Verlag mit DKZ.

Die klassischen Verlage treiben Autoren ja gerade dazu selbst zu publizieren oder zu einem DKZ Verlag zu gehen weil man keine Chance hat bei ihnen veröffentlicht zu werden.
Die stecken lieber ihr Geld in das Buch eines Promis obwohl jeder weiß, dass das Buch absoluter Müll ist. Aber dank des Namens wird es trotzdem gekauft. Das ist eben der Markt, wer sicher Geld reinbringt wird gefördert. Hat aber nichts mit Qualität zu tun.

Wenn du dein Buch veröffentlichen willst und dabei Hilfestellungen brauchst oder nicht weißt wie du Marketing betreiben sollst oder woher du einen Lektor nimmst, dann ist das schon eine Variante die man zumindest in Betracht ziehen sollte, wie auch alle anderen Varianten. Du muss halt selbst wissen wohin es gehen soll und was du dir davon erwarten kannst.
Reich wirst du davon mal höchstwahrscheinlich nicht, wenn es dein Hobby ist und du Spaß daran hast zu schreiben ist das sehr schön, wenn du dann den nächsten Schritt gehen willst und eine Veröffentlichung anstrebst müssen deine Erwartungen auch im Einklang damit sein sonst wirst du nur enttäuscht sein.
Wo du hinwillst musst du wissen, du kannst die Qualität deinen Produktes hoffentlich richtig einschätzen und musst jetzt entscheiden was es dir wert ist. Zahlen tust du letztendlich bei allen Varianten, bei einigen mit Geld, bei einigen mit Zeit und Nerven.

williwu
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von williwu » Fr 31. Jul 2015, 12:24

Ein schöner Versuch, die Möglichkeiten aufzuzeigen. Allerdings nicht zwingend fundiert.
EmmaBz hat geschrieben:klassischer Verlag:
Als unbekannte Person die ihr erstes Buch schreibt, kannst du es quasi vergessen, die Verlage werden überrannt mit Manuskripten und selbst wenn dein Buch extrem gut ist verbringst du so viel Zeit auf der Suche nach einem Verlag, da geht dir leicht mal die Motivation aus. Das kann Jahre dauern.
Das stimmt so nicht. Ich kenne diverse Autoren persönlich wie zB. Nikola Huppertz, Alice Pantermüller, Anja Ackermann, Andreas Hartmann (kannst du alle gugeln); die meisten habe ich gekannt, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlicht haben. Sie haben es geschafft, in klassischen Verlagen unterzukommen (Arena, dtv, Gabriel, alles keine Nonames), weil sie einfach gute Sachen schreiben und sich bei der Auswahl der Verlage oder der Suche nach Agenten geschickt verhalten haben - beides ist erforderlich, mit Glück hat das nichts zu tun. Ich habe es bisher nicht geschafft, aber das einfach auf die Verlage abzuschieben, tut mir leid, das ist mir zu billig. Entweder habe ich bisher nicht gut genug geschrieben oder nicht das Richtige für den richtigen Verlag. Aber etwas auf eigene Kosten veröffentlichen, damit ich das Buch in der Hand halten und damit im Bekanntenkreis angeben und mich dann toll fühlen kann, das ist keine Option. Lieber kein Buch als so etwas.
À propos Agenten: Auch das ist ein Weg, den Aufwand zu minimieren. Allerdings erhält man auch von denen eine ehrliche Meinung und muss gegebenenfalls eine Absage riskieren. Es kann nun mal sein, dass das Geschriebene einfach nicht so gut ist, wie man denkt. Natürlich verlangen Agenten auch Provision, aber wenn man sowieso schon bereit ist, noch viel mehr Geld einem Pseudoverlag für viel weniger Leistung in den Rachen zu schieben ...
Bezahlverlage leben hauptsächlich von der Ungeduld, Eitelkeit und Zurückweisungsangst der Autoren.
Self-Publishing:
(...) Es ist sehr zeitintensiv, also wenn du nebenbei noch einer geregelten Arbeit nachgehst und dann vielleicht auch noch Kinder zu Hause hast muss dir dein Hobby wirklich viel Spaß machen, den dann arbeitest du dann bis spät in die Nacht. Zahlen musst du auch alles selbst und wie schon oben erwähnt ist das auch nicht ganz billig.
Sagen wir mal so: Wenn du das Gleiche machst, was ein Pseudoverlag für dich tut (das ist jeder "Verlag", der Geld von dir haben will), dann ist der Aufwand nicht so groß. Wenn du ein E-Book über Amazon oder Neobooks veröffentlichst, kostet das sogar erstaunlich wenig. Und na ja, bei der Lokalzeitung oder erst mal beim örtlichen Anzeigenblättchen (das klappt immer, die müssen den redaktionellen Teil füllen und freuen sich, wenn die Nachrichten auf sie zukommen und sie selbst nichts machen müssen) ein Interview zu erwirken (manchmal kannst du das ganze Interview selbst schreiben, dann musst du nicht mal außer Haus), das Buch auf einer Homepage, die mit Baukastensystem erstellt wird, zu präsentieren, das ist alles nicht so aufwändig - und kostet fast nichts. Wenn du an dein Buch glaubst, dann kannst du auch dem Beispiel von Wolfgang Ram folgen. Der hat einen Kinderkrimi geschrieben, einen Verlag gegründet (nur für dieses Buch, kostet gerade mal einen Gewerbeschein und ein Schreiben an die IHK, dass der Geschäftsumfang zu gering ist, um Mitgliedsbeiträge zu zahlen sowie ggf. ein Schreiben an das Finanzamt, dass man keine Umsatzsteuerberechnung durchführen will), das Ding bei BoD drucken lassen und die Bücher in jeder Buchhandlung, bei Bäckern und anderen Geschäften in Kiel in Kommission verkaufen lassen und am Ende einen Überschuss für eine Reise und eine neue Stereoanlage gehabt, den Verlag wieder abgemeldet und sein Leben als Kardiologe in Kiel weitergeführt.
Verlag mit DKZ:
(...)
Die klassischen Verlage treiben Autoren ja gerade dazu selbst zu publizieren oder zu einem DKZ Verlag zu gehen weil man keine Chance hat bei ihnen veröffentlicht zu werden.
Wenn das Buch richtig gut ist, stimmt das eben nicht, siehe oben. BTW: DKZ- oder andere Bezahlverlage sind keine Verlage. Das Wort "Verlag" kommt von "vorlegen", das heißt, der Verlag zahlt alles vorab, nicht der Autor. Dienstleister, die Geld vom Autor nehmen, sind ergo keine Verlage. Das ist sogar gerichtlich bestätigt.
Und wieso treiben: Entweder nehmen die ein Buch oder nicht. Es gibt ja keinen Zwang, unbedingt veröffentlicht werden zu müssen, nach dem Motto: "Wenn die mich nicht drucken, dann muss ich zu einem Pseudoverlag." Nein, es gibt heute diese Möglichkeit, aber da haben die richtigen Verlage keine Schuld daran. Früher wurdest du von denen genommen oder nicht und hast weiter als Jurist, Schreiner oder Müllmann gearbeitet. Heute ist man persönlich beleidigt, wenn die einen nicht nehmen und bekommen die Schuld, wenn man viel Geld ausgibt, um gedruckt zu werden? Das ist nicht die Schuld der Verlage, sondern der Autoren, die meinen, ein Anrecht darauf zu haben, gedruckt zu werden.
Das ist eben der Markt, wer sicher Geld reinbringt wird gefördert. Hat aber nichts mit Qualität zu tun.
Das klingt, als sei das verwerflich. Natürlich will der seriöse Verlag ebenfalls Geld verdienen. Aber er trägt auch das Risiko, ist ja kein Wohlfahrtsverein für Möchtegernautoren. Er bezahlt Lektorat, Druck, Werbung und vielleicht dem Autor zumindest einen nicht rückzahlbaren Vorschuss. Wenn das Buch dann floppt, kann er das Geld in den Wind schreiben. Wer wollte ihm da eine Zurückhaltung bei neuen Autoren und Manuskripten vorwerfen? Pseudoverlage umgehen das Risiko, indem sie sich kaum um den Buchmarkt kümmern, das Geld stattdessen gleich vom Autoren nehmen. Am Ende steht das Buch, aber ohne eine größere Leserschaft - und nur die bringt einen bescheidenen Gewinn oder wenigstens das Nullsummenspiel. Das Dollste ist: Alles das, was du beim Self-Publishing machen musst, musst du auch hier machen. Prüfe es doch selbst mal: Wie viele Marketingmaßnahmen von Pseudoverlagen (außer Anzeigen wie "Verlag sucht Autoren") kennst du denn? Welche Buchhandlungen haben solche Bücher im Bestand? Lies mal bei Amazon beim "Blick ins Buch" bei einigen dieser Bücher nur die ersten Seiten und entscheide dann, ob du wirklich mit diesen "Werken" in einen Topf geworfen werden willst. Und wenn du manchmal bereits die Rechtschreib- und Grammatikfehler ins Kalkül ziehst, manchmal zumindest den Ausdruck, Aufbau und Stil, dann kannst du auch die Qualität des Lektorats ermessen.
Lies z.B. einmal nur dieses Erzeugnis des Novum-Verlags und überlege bereits bei Seite 2, ob das wirklich veröffentlicht gehört.

Wenn du von deinem Werk überzeugt bist und das Ganze sowieso nur hobbymäßig betreibst, dann bist du auf eine Veröffentlichung um jeden Preis nicht angewiesen. Es stimmt, reich wirst du als Autor sowieso nicht, bei keiner Variante. Aber bei Pseudoverlagen besteht die große Möglichkeit, dass du ärmer wirst als vorher. Und wenn du nicht bei jedem Buch, das du veröffentlichen möchtest, draufzahlen willst, dann ist bereits die erste Veröffentlichung im Pseudoverlag tödlich, es sei denn, dass du zu den weniger als 1 % Autoren gehörst, die bei seriösen Verlagen, Agenten und Kritikern dann noch als ernstzunehmende Autoren anerkannt werden.

Noch etwas: Es gibt jede Menge Kleinverlage, deren Qualität und Arbeit nicht besser ist als die der Bezahlverlage, die aber zumindest kein Geld nehmen. Eine Bekannte hat ein kleines Büchlein und eine Kurzgeschichte im Memoiren-Verlag in Glödnitz, Österreich veröffentlicht. Auch sie musste sich um die Vermarktung selbst kümmern, hat einige Bücher über eine befreundete Buchhandlung absetzen können und ansonsten alle Bekannten aus diversen Foren aktiviert. Die Bücher sind von etwa der Qualität, die auch ein Bezahlverlag oder PoD produziert, inhaltlich wären die bei Rowohlt oder Knaur oder so wohl nicht untergekommen, aber sie hat zumindest nichts dafür bezahlt - außer die Versandkosten für die Lieferung und natürlich die Verkaufspreise pro Buch abzgl. Autorenrabatt, die sie dann weiterverkauft hat. Das ist eine vergleichbare Leistung wie bei einem Bezahlverlag, aber erheblich günstiger.

EmmaBz
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von EmmaBz » Di 4. Aug 2015, 17:39

Ich erhebe auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit in meiner kurzen Darstellung.
Ich bin auch nicht auf der Suche nach einem Verlag, es sollte nur als kurze Schilderung Paprika helfen einen kleinen Überblick zu erhalten was für Möglichkeiten es gibt.

Und da bin ich anders als viele eben der Meinung, dass man von vornherein keine Möglichkeit ausschließen sollte, die Beweggründe die hinter der Veröffentlichung eines Buches stehen sind unterschiedlich, genauso wie die Art der Veröffentlichung.
Ich verstehe durchaus die negative Haltung zu Verlagen mit Druckkostenbeitrag, was ich an der Sache aber nicht verstehe ist warum es schlechter sein sollte als wenn ich dafür nicht bezahle.
Es hat rein gar nichts mit der Qualität des Buches zu tun, ich stimme dir zu, einige Bücher kann man sofort nach der zweiten Seite in den Müll schmeißen, das kann man aber auch mit Büchern von klassischen Verlagen. Ich habe auch schon einige Bücher von einem Autor gelesen der ebenfalls im Novum Verlag publiziert hat und es hat mir sehr gut gefallen. Da also einen Qualitätsunterschied schon im Vorhinein zu erkennen ist nicht möglich. Wenn es nicht am Buch draufstehen würde, würde der Leser ja gar nicht wissen von welchem Verlag das Buch kommt.
Und was bitte ist besser daran einen Agenten Geld zu geben als einem Verlag?
Es kommt ja so ziemlich auf das selbe, entweder man lehnt es ab im Vorhinein etwas zu bezahlen oder eben nicht, aber dann auch noch die Art zu bemängeln für was man zahlt verstehe ich nicht. Unterm Strich ist das Geld weg und mit Glück hast du in beiden Fällen dein Buch.

Ich bin jetzt sicher kein Verfechter des Druckkostenbeitrags aber meiner Meinung macht er hin und wieder Sinn. Ob man es bezahlen will oder nicht muss dann jeder selbst für sich entscheiden.

williwu
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von williwu » Di 4. Aug 2015, 20:41

EmmaBz hat geschrieben:Ich erhebe auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit in meiner kurzen Darstellung.
Dann kannst du ja auch nichts gegen Ergänzungen haben. Und wenn die Behauptung fällt, dass klassische Verlage keine neuen Autoren nehmen und nur auf Profit und nicht auf Qualität des Geschriebenen achten, dann ist das sogar falsch. Schon im Sinne eines Überblicks, von dem Paprika ja eigentlich gezeigt hat, dass sie den selbst hat.
EmmaBz hat geschrieben:Und da bin ich anders als viele eben der Meinung, dass man von vornherein keine Möglichkeit ausschließen sollte, die Beweggründe die hinter der Veröffentlichung eines Buches stehen sind unterschiedlich, genauso wie die Art der Veröffentlichung.
Richtig. Wenn man für sich die Fürs und Widers abwägt. Aber wenn man danach fragt, dann bekommt man Antworten. Wenn ich andere Leute frage und alle antworten mit einem klaren "Jein" oder einem "Sowohl als auch" oder gar immer mit einem "Das musst du selbst wissen", warum sollte man dann noch fragen? Und auf die Frage "schwarz oder weiß?" mit "Ich geb dir den Überblick; es gibt schwarz und weiß" zu antworten, hilft nicht.
EmmaBz hat geschrieben:... was ich an der Sache aber nicht verstehe ist warum es schlechter sein sollte als wenn ich dafür nicht bezahle.
Verstehe ich dich richtig? Ich finde es offensichtlich, dass es besser ist, nicht zu bezahlen, als zu bezahlen. Oder meinst du die Qualität des Druckerzeugnisses? Dann vergleiche mal Bindung, Druckbild, Umbrüche, Umschlag- bzw. Titelgestaltung etc. eines in einer richtigen Druckerei erstellten Buches mit denen eines in Pseudoverlagen üblichen Digitaldrucks - und die Preise dafür.
Die Qualität bemisst sich nicht an der Leistung für den Autor, sondern für den Lesermarkt. Da Pseudoverlage so ziemlich alles drucken, wenn der Autor nur dafür bezahlt (darauf beruht die Geschäftsidee so eines Dienstleisters, dem ist es egal, ob du ein Buch, Hochzeitseinladungen oder Speisekarten bestellst), haben diese Unternehmen den Leser seltener bis gar nicht im Auge (genausowenig, wie sie daran interessiert sind, ob die Hochzeit ein Erfolg oder die Speisen wirklich lecker sind), und deshalb - Ausnahmen mag es immer geben - ist die inhaltliche Qualität bei Pseudoverlagen weit häufiger schlechter als bei klassischen Verlagen.
EmmaBz hat geschrieben:Wenn es nicht am Buch draufstehen würde, würde der Leser ja gar nicht wissen von welchem Verlag das Buch kommt.
Wohl aber die Art des Verlages.
EmmaBz hat geschrieben:Und was bitte ist besser daran einen Agenten Geld zu geben als einem Verlag?
Das ist jetzt nicht dein Ernst. Erstens, einem Verlag gibt man als Autor kein Geld, es sei denn, es handelt sich um einen Pseudoverlag. Zweitens: Der Agent sucht für dich einen seriösen Verlag, handelt für dich den bestmöglichen Vertrag aus und kümmert sich um die geschäftlichen Abwicklungen bis hin zu Neuauflagen, Weiterverwertungen etc. Er nimmt dafür 15% bis 20% von deinen Erlösen, die er miterwirtschaftet hat. Oft genug sind die verbleibenden 80% höher als das, was du vielleicht allein ausgehandelt hättest. Als Autor brauchst du dich dann nur um das kümmern, was du willst und sollst, nämlich schreiben. Übrigens: Er trifft keine Verfügungen, denen du nicht zugestimmt hast. Und mit dem Lektor musst du dich als Autor weiter selbst auseinandersetzen, die Druckfahnen gehen an dich. Wenn dein Buch keine Umsätze erzielt oder du daran nichts verdienst, dann bekommt auch der Agent nichts. Vorab nimmt er gar nichts, der seriöse Agent zumindest nicht. Der Dienstleister bekommt seine 3000, 7000 oder 15000 Euro, egal, ob du auch nur einen Cent verdienst. Jede Neuauflage zahlst du erneut,vielleicht günstiger. Kommt aber selten genug vor, denn dafür müsstest du deine Erstauflage auch verkaufen, und zwar in der Regel selbst. Wenn das kein Unterschied ist ... Du fragst ja auch nicht, warum man einen Steuerberater bezahlen muss, der nimmt nämlich auch eine Art Provision.
EmmaBz hat geschrieben:Es kommt ja so ziemlich auf das selbe, entweder man lehnt es ab im Vorhinein etwas zu bezahlen oder eben nicht, aber dann auch noch die Art zu bemängeln für was man zahlt verstehe ich nicht. Unterm Strich ist das Geld weg und mit Glück hast du in beiden Fällen dein Buch.
Kommt es eben nicht, siehe oben. Wenn du mit deinen Buchverkäufen im Pseudoverlag 100 Bücher verkaufst (was selten genug und nur mit sehr viel Zeit und anderem persönlichen Einsatz möglich ist, wenn überhaupt), dann hast du bei einem VK-Preis von 10 EUR 1000 EUR abzgl. Aufwandskosten abzgl. MWSt. (um die du sich auch noch allein kümmern musst) = na, sagen wir mal 800 EUR abzgl. vielleicht "nur" 3000 EUR für den Dienstleister = -2200 EUR "verdient", also Verlust gemacht. Bei einem guten Verlag bekommst du vielleicht 1000 EUR nicht rückzahlbaren Vorschuss, von denen du ggf. einem Agenten 200 EUR abgibst. Und ab dem ersten Buch, dessen Autorerlös über den Vorschuss hinaus geht, verdienst du weiter, und ggf. dein Agent eben mit, da wird er schon aus Interesse daran arbeiten. Wenn es keinen Vorschuss gibt, dann verdienst du nichts, hast aber immer noch keinen Verlust. Bevor die Auflage makuliert wird, kannst du sie immer noch selbst mit einem saftigen Rabatt aufkaufen und versuchen, selbst zu verkaufen, etwa hier über booklooker. So sieht die "Unter'm Strich'-Kalkulation doch anders aus, oder?
EmmaBz hat geschrieben:Ich bin jetzt sicher kein Verfechter des Druckkostenbeitrags aber meiner Meinung macht er hin und wieder Sinn. Ob man es bezahlen will oder nicht muss dann jeder selbst für sich entscheiden.
Klar muss das jeder für sich entscheiden. Aber Fakten (und da kenne ich wirklich genug Autoren und weiß um ihre Erfahrungen, um das zumindest darstellen zu können), wenn man schon danach fragt, können bei der Entscheidung womöglich helfen.

Wenn einem nicht nur an einem Buch in der Hand, sondern auch etwas an der Anerkennung anderer Autoren liegt und man an dem befriedigenden Gefühl, einige Leute in der Branche überzeugt zu haben, interessiert ist, zudem noch weitere Veröffentlichungen vorhat ohne jedes Mal draufzahlen zu wollen, dann kann man - auch eingedenk der vielen kostenlosen oder -günstigen Alternativen, ich hatte sie schon genannt (E-Book z. B. über neobooks; Kleinstverlage, die kein Geld nehmen; on-Demand Verkäufen), nicht ernsthaft für eine Veröffentlichung bezahlen wollen und sich davon etwas versprechen.

Von den Autoren, die ich kenne, hat nur eine bei einem Bezahlverlag angefangen und dann später gegen Bezahlung weiter veröffentlicht, eine überzeugte Feministin, die dann ihr Geld unter wohlklingendem Pseudonym mit Cora-Romanen, in denen schwache Frauen regelmäßig in den Armen eines starken Helden versinken, verdient hat. Das war nicht ihre gewünschte Autorenkarriere.

EmmaBz
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von EmmaBz » Di 11. Aug 2015, 12:14

Ich habe nichts gegen Ergänzungen, mein Beitrag ist ja auch nur eine Ergänzung.
Ich zähle halt auch noch andere Arten der Veröffentlichung auf, die gibt es nun mal und jeder muss sich dann die beste Art für sich heraussuchen.
Und wenn du schon sagst du willst eine Antwort auf eine Frage geben dann ist das durchaus legitim, aber es ist auch legitim wenn eine andere Person eine andere Antwort gibt. Du sprichst dann eben über Weiß und ich über Schwarz, dann kann man sich aussuchen welche Farbe man haben will. Aber ich finde es in diesem Beispiel wichtig beide Antwortmöglichkeiten zu nennen und diese zu erörtern schon alleine der Vollständigkeit halber.
Viel zu viele Menschen übernehmen eine vorgefertigte Meinung ohne diese zu reflektieren und schon alleine deshalb muss man mehrere Möglichkeiten aufzeigen.

Für die einen macht eben ein klassischer Verlag Sinn, für andere macht es vielleicht Sinn selbst zu publizieren, die Entscheidung muss man da wohl dem Autor lassen der weiß am besten was er erreichen will und welche Ziele er verfolgt. Dennoch muss man alle Möglichkeiten nennen sonst hat man ja keine Auswahl und ein klassischer Verlag ist dann eben nicht die beste Wahl.

Vielen reicht es ihre Erinnerungen festzuhalten und diese dann im Bücherregal verstauben zu lassen, wir werden es nicht verstehen wieso diese Person so etwas macht und dann dafür vielleicht auch noch viel Geld bezahlt, aber ich verstehe auch nicht wieso man sich ein Auto um 200.000€ kaufen muss. Da gibt es auch mehrere Angebote und diese gehören dargestellt. Da kann ich auch nicht sagen, ich gebe nur wenig für ein Auto aus weil ich nicht mehr brauche also sollen alle anderen es auch so machen und spreche nicht mal an, dass es andere Varianten auch gibt.

Verlage mit Druckkostenbeitrag drucken schon lange nicht mehr alles, die werden genauso von Autoren überrannt und mit Manuskripten eingedeckt wie die klassischen Verlage. Aber man muss dabei auch bedenken, dass viele von den Autoren ja gar nicht auf Reichtum und Ruhm aus sind, denen reicht eben wirklich das Buch mit ihren Gedichten drinnen oder der Bildband von ihrer letzten Weltreise. Das wird es nie und nimmer zu einer Veröffentlichung bei einem klassischen Verlag bringen aber anscheinend wollen es Menschen doch in Buchform sehen sonst würde es dieses Angebot ja nicht geben. Und für solche Menschen finde ich es dann nur fair, dass auch sie die Möglichkeit haben ihren Wunsch nachzugehen auch wenn sie dafür bezahlen müssen.
Solange man sie nicht ausbeutet und ihnen den großen Erfolg verspricht sehe ich für diese Gruppe von Menschen darin eine Möglichkeit ihren Wunsch zu erfüllen.

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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von Björn » Di 11. Aug 2015, 18:49

Hallo EmmaBz,

ich muss dir leider heftig widersprechen, was die Einschätzung der Beweggründe angeht, sich als Autor einen der sogenannten Bezahl"Verlage" auszusuchen. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen und diskutiert, die das ebenfalls hinter sich haben. Die allermeisten hatten da schon die übliche Klinkenputzer-Karriere bei den großen Publikumsverlagen hinter sich und waren tief enttäuscht, dass man sie nicht als Talent entdeckt hatte. Die DKZV's sind dann in der Regel die letzte "Hoffnung". Viele von denen werben dann ja schließlich auch damit, dass man doch als neuer Autor erst einmal den Fuß in den Buchmarkt bekommen müsse, dann würde es schon laufen - nur, das kostet halt etwas. Bedeutet also, die angehenden Autor/Innen geben ihr Geld für eine Hoffnung aus, die auf keinen Fall berechtigt ist. Und jeder, der schreibt, möchte das auch für die Öffentlichkeit und nicht nur für sich selbst tun.

Deinen Vergleich mit dem Preis für ein Auto, den manche zu zahlen bereit sind, möchte ich an dieser Stelle mit aufgreifen und etwas abändern. Betrachtet man nämlich mal die Preise, die solche "Verlage" von den Menschen nehmen - ich kenne da fünfstellige (!) Summen - dann wäre das in etwa so, als würde ein Autohändler von dir für einen stinknormalen Golf 500.000 Euro verlangen. Der Bezug der Herstellkosten für ein gedrucktes Buch (plus den angeblichen Service, den die anbieten) zu diesen Preisen steht in keinem Verhältnis. Deshalb kann man sehr wohl von Ausbeutung der Leute sprechen. Ich kann jedenfalls allein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur davor warnen, sich auf eine solche Sache einzulassen. Alle anderen Argumente gegen Zuschuß"verlage" sind hier im Forum schon oft und ausreichend dargestellt worden.

Viele Grüße
Björn
Politiker und Babywindeln haben eins gemeinsam: man muß sie aus dem gleichen Grund wechseln!

Björn
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von Björn » Di 11. Aug 2015, 18:56

P.S. ich hatte vergessen darauf hinzuweisen, dass ich mal Erfahrungen mit derartigen Unternehmen gesammelt habe, indem ich einen vollkommenen Kappes-Gedichtband mit wild zusammengewürfelten Texten als "John Doe" an verschiedene Zuschuß"verlage" gesandt hatte, um zu sehen, was die darauf antworten. Mir wurde der Bauch gepinselt, was das Zeug hält. Die Bedeutung des Namens hat keiner von denen begriffen aber alle haben mir ein Angebot gemacht. Das ging von 5000 - etwa 15.000 (!) Euro bei einem der Branchenführer, der einen ähnlich klingenden Namen wie einer der großen echten Verlage hat.

Das musste ich noch hinzufügen :D

Viele Grüße
Björn
Politiker und Babywindeln haben eins gemeinsam: man muß sie aus dem gleichen Grund wechseln!

williwu
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von williwu » Fr 14. Aug 2015, 21:24

EmmaBz hat geschrieben:Viel zu viele Menschen übernehmen eine vorgefertigte Meinung ohne diese zu reflektieren und schon alleine deshalb muss man mehrere Möglichkeiten aufzeigen.
Ach, so eine schlechte Meinung von Paprikas Reflektionsfähigkeit habe ich nicht.

Im Grunde ist ja alles gesagt. Ich will nur noch einmal meine Hauptstatements zusammenfassen.

Wenn du tatsächlich nicht aufs Geld gucken musst und es ggf. auch sonst gerne ausgibst, ohne Alternativen zu prüfen bzw. wenn dir das Ersparen von etwas eigener Arbeit über 1000 (oder viel mehr) EUR wert ist, dann ist ein Bezahlverlag eine gute Lösung.

Wenn du schon günstigere Alternativen suchst, dann gibt es keine Leistung eines Bezahlverlages, die man mit ein wenig Eigeninitiative nicht genauso gut alleine oder bei einem Kleinverlag und mit viel weniger Geldeinsatz hinbekommt.

Wenn du als Autor ernst genommen werden möchtest, kann die Inanspruchnahme eines Bezahlverlages tödlich sein, egal, welchen du wählst.

Der Autovergleich hinkt natürlich gewaltig. Ein Autokäufer kann, wenn überhaupt, nicht mit dem Autokäufer verglichen werden. Der Autor ist, außer bei Bezahlverlagen, nicht Konsument, sondern Lieferant.

Aber
EmmaBz hat geschrieben:Verlage mit Druckkostenbeitrag drucken schon lange nicht mehr alles, die werden genauso von Autoren überrannt und mit Manuskripten eingedeckt wie die klassischen Verlage.
woher du das weißt, würde mich mal interessieren. Meine Erfahrung ist genau gegenteilig. Aber selbst wenn es stimmt, dass die nicht jeden nehmen, kommt es nicht darauf an, sondern auf die Kriterien, warum ein Buch in einem Bezahlverlag gedruckt wird. Die große Zahl des Schrotts, der in solchen Verlagen erscheint, spricht zumindest nicht für eine Auswahl nach schriftstellerischer Qualität.

Und ich mag einfach nicht glauben, dass jemand in einem "Autoren-Forum" nach Erfahrungen mit einem Verlag fragt, wenn es ihm nur um ein Renommierobjekt zum Beeindrucken schlichterer Gemüter geht.

EmmaBz
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Re: Erfahrungen mit dem Novum Verlag?

Beitrag von EmmaBz » Mo 17. Aug 2015, 14:47

@ Björn
Eine gewisse Selbsteinschätzung muss man den Menschen aber schon zutrauen können.
Ich muss mich und mein Werk richtig einschätzen können, es gibt sicher einige Menschen die es nicht können, von diesen Menschen "profitieren" dann sicher auch Verlage mit Druckkostenbeitrag. Diese Menschen machen aber bestimmt nicht das Zielpublikum dieser Verlage aus, da es von denen einfach zu wenige gibt. Aber genau diese Verlage haben dann auch das Problem sich mit diesen Menschen herumzuschlagen wenn aus ihnen doch nicht der Starautor wird und ihr Buch nicht in einer Trilogie verfilmt wird.
Du hast vollkommen recht wenn du sagst Verlage mit Druckkostenbeitrag seien deren letzte Hoffnung, das trifft aber nur auf die Personen zu, die alles darauf setzen einen Bestseller zu verkaufen.
50.000€ für den Druck und die Veröffentlichung eines Buches erschein mir doch etwas viel, kann aber durchaus sein, dass es auch hier einige schwarze Schafe gibt wie sonst auch überall. 5.000€ erscheint mir da als sehr realistische Zahl. Da bleibt es aber auch bei jedem Autor die Angebote zu vergleichen und sich nicht auf das erstbeste Angebot zu verlassen

@wiliwu
Ich habe mit meinem Post auch gar nicht auf Paprika abgezielt und das kommt auch bis auf deine Einschätzung nicht so rüber, ich meine es allgemein und dazu gibt es ja wohl genug Beispiele die ein solches Verhalten von einigen Menschen belegen.
Da du deine Beiträge auch noch einmal zusammenfasst möchte ich dies auch tun:
Mir geht es in erster Linie nicht drum Verlage mit Druckkostenbeitrag zu verteidigen, ich will nur alle Möglichkeiten aufzählen. Meiner Meinung macht eine solche Alternative doch für einige Personen Sinn. Für die Autoren die es professionell ausüben wollen sicher nicht, doch für Personen die eben ihre selbstgeschriebenen Gedichte in einem Buch zusammengefasst haben wollen oder Menschen die einen Bildband über ihre Reisen haben wollen sehr wohl. Das könnte man mit Sicherheit auch in Form eines Blogs oder als Seff-Publishing hinbekommen, das stimmt, aber wenn es die Menschen eben unbedingt in Buchform haben wollen dann sollen sie es doch bekommen. Die meisten Menschen wissen doch schon im Vorhinein, dass aus ihnen kein berühmter Autor wird, umso schöner doch, dass diese Menschen trotzdem einem sehr schönen Hobby nachgehen und sich nicht vom Schreiben, Sammeln von Gedichten oder Fotografieren abbringen lassen. Mit dieser Art von Büchern hätten sie, auch auf Grund ihrer Qualität, keine Chance auf eine Veröffentlichung bei einem klassischen Verlag, doch wieso sollen sie nicht die Möglichkeit haben ihren Wunsch nachzukommen und ihr Werk in Buchform sich ins Regal zu stellen oder an Verwandte zu verschenken? Das so etwas Geld kostet ist nicht nur hier so, dafür gibt es auch noch viele Beispiele aus anderen Bereichen des Lebens.
Ich pflichte dir bei, dass Menschen nichts versprochen werden soll ohne es je halten zu können oder es überhaupt zu versuchen nur damit man ihnen Geld aus der Tasche zieht. Das finde ich auch höchst verwerflich, das aber der gesamten Branche zu unterstellen finde ich geht zu weit. Sicher mag es das auch geben und da bin ich mir sogar sicher, leider gibt es das ja auch sonst überall, vom Kredithai über den Handwerker bis hin zum Autoverkäufer der dir ein Unfallauto mit manipulierten Tacho andrehen will.

Mit meinem Autovergleich will ich lediglich darstellen, dass Menschen auf unterschiedlichste Weise ihr Geld ausgeben, für die einen ist es nachvollziehbar und andere wundern sich warum man dafür nur Geld ausgeben kann. Das es bessere Möglichkeiten gibt sein Geld loszuwerden stimmt, aber ich werde niemanden sagen was er machen soll oder nicht, das muss jeder selbst wissen und geht mich auch gar nichts an. Alles was ich kann ist rein objektiv über die Möglichkeiten zu informieren.

Bei der Menge an Manuskripten und potenziellen neuen Büchern, die egal welcher Verlag zugeschickt bekommt, ist es unmöglich alles zu drucken. Warum sollten selbst Verlage mit Druckkostenbeitrag jedes Buch drucken und ihrer Ressourcen verschwenden wenn sie nur das nächste Buch hernehmen müssen, dieses wesentlich höhere Qualität besitzt und zumindest eine kleine Chance hat wirtschaftlichen "Erfolg" zu erzielen?

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