Ach! Ich habs wieder getan ...

Stellen Sie ein Buch detailliert vor - mit Inhaltsangabe und Ihrem Urteil.
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Sensenmann
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Ach! Ich habs wieder getan ...

Beitrag von Sensenmann » Di 27. Nov 2018, 12:27

... im Radio gebannt einer Buchvorstellung gelauscht, im Innersten gespürt, dass das Thema mich immer noch berührt, bewegt, beschäftigt ...
und dann - hab ich mir das Buch bestellt, obwohl ich mir Neubücher absolut nicht leisten können sollte. Peng! 25 Euronen weg. Scheißegal. Geifer tritt bei jedem Postauto aus den Augen. Dann isses da.

Heiliger Moment des Auspackens. Mh. Sieht genau aus wie im Angebot bei Booklooker.
Toll. Riecht leicht druckfrisch, nicht zu stark, gerade richtig.

Einen entspannten Moment herbeisehnen.

Gut, da ist er.
Bequem hinsetzen. Kaffeetasse rechts über dem Buch.
Alles stimmt soweit.

Lese, lese, lese - umblättern - lese, lese, lese - umblättern - lese, lese, lese, - l e s e , l e s e, l e s e ...

Kleiner erklärender Einschub oder Das Wichtigste:

Ich befinde mich in Kent Nerburns NICHT WOLF NICHT HUND.
Ganz neu auf dem deutschen Buchmarkt, war wohl vorher noch nie als Übersetzung in unseren Regalen.

Es geht um die Begegnung Nerburns, gestandener US-amerikanischer Autor, mit Dan, gestandener Lakota-Indianer (oder Native American), schon in fortgeschrittenem Alter.
Dan hat sein Leben lang über das Verhältnis zwischen den amerikanischen Ureinwohnern und den Zerstörern seiner Welt, die Weißen, nachgedacht. Geäußert hat er darüber selten was, und wenn, dann nur gegenüber vertrauten Menschen seiner Art. Aber er hat sich viele Notizen gemacht. Zettel, in Kartons gesammelt.
An den Weißen kotzt ihn nahezu alles an. Sind die blöd! Und brutal! Und unbelehrbar! Aber er kämpft innerlich gegen den mörderischen Hass und ringt um Antworten auf die Frage, wie diese beiden Sorten Menschen nebeneinander her existieren können, ohne dass es ewig bei Unverständnis und gegeneitigen Missverständnissen bleibt.
Die Weißen, wie gesagt, kotzen ihn maßlos an. Der Weiße Nerburn soll aber aufschreiben, was Dan so durch den Kopf geht die ganze Zeit, und was er nach außen dringen lässt. Damit das gelingt, belehrt er Nerburn immer und immer wieder. So massiv, dass es Nerburn mehr oder weniger ankotzt.
Um Dan und seine indianische Welt richtig verstehen zu lernen, muss Nerburn ihn auf einer Reise mit unbekannten Zielen und von unbekannter Dauer, quer durch die nördlichen USA, begleiten. Ein etwas jüngerer Indianer sitzt am Steuer ... und Nerburn sehnt sich nach seiner Familie, die nicht so richtig weiß, wo er überhaupt ist ...


Okay. Ich bin noch nicht am Ende mit dem Buch, aber schon enttäuscht.
Der Radiobeitrag versprach mir irgendwie etwas anderes. Oder ich verstand es falsch.
Mein Interesse kreist mehr um praktische Fragen des CultureClashs, darum, wie die Indianer, nachdem sie in das abgrundschwarze Loch der Verlusts ihres Landes und ihrer kulturellen Integrität, der Gefangenschaft auf trostlosen Reservationen, der weitgehenden Entrechtung, des versuchten Ethnozids usw. - ja, wie sie all das überleben konnten und nach all dem Schrittchen für Schrittchen wieder zu Selbstbewusstsein und Konfliktfähigkeit kommen konnten.
Es gibt gerade über die Zeit von 1890 bis etwa 1970 nur Splitter von Dokumentation darüber, jedenfalls für mich nicht des Englischen mächtigen Deutschen. Aber das interessiert mich.

Nicht Wolf nicht Hund, im Original bereits 1994 erschienen, gibt eigentlich nur noch mal wieder, was Leuten wie mir, die über esoterische und heroisch-romantische Aspekte hinaus an indianischem Leben/Über-Leben und in der amerikanischen Gesellschaft leben müssen interessiert sind, schon bekannt ist.
Schade.
Aber es ist unterhaltsam geschrieben und durchaus nicht banal.

Nur heute weiß ich: Ich hätte auch auf eine Taschenbuchausgabe warten können. :roll:

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