Andrea Behnke (Text), Mele Brink (Illus.): Herr Bort, der Katzenschreck (3 – 6 Jahre)

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Vandam
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Andrea Behnke (Text), Mele Brink (Illus.): Herr Bort, der Katzenschreck (3 – 6 Jahre)

Beitrag von Vandam » Mo 19. Aug 2019, 16:15

Andrea Behnke (Text), Mele Brink (Illustrationen): Herr Bort, der Katzenschreck (3 – 6 Jahre), Aachen 2019, Edition Pastorplatz, ISBN 978-3-943833-33-1, Hardcover, 32 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Format: 21 x 27 x 0,7 cm, EUR 14,00.

Bild
Abb: © Edition Pastorplatz

Seit dem Tod seiner Frau hat Herr Bort nicht mehr viel Freude am Leben. Nur der einst gemeinsame Garten scheint ihm noch wichtig zu sein. Er pflegt ihn hingebungsvoll, und das findet Nachbarskatze Rosi außerordentlich interessant.

Seit Rosis Menschenfamilie zwei Hunde hat, hält sie sich lieber beim stillen Herrn Bort auf als daheim. Der alte Herr findet es aber gar nicht lustig, wenn „das Viiiiiech“ sich in seinem sorgsam gestutzten Rasen wälzt, in den Beeten wühlt, an seine Pflanzen pieselt oder Baumstämme zerkratzt.

Wie vergrault man Nachbars Katze?
Doch was immer Herr Bort auch veranstaltet, um Rosi zu vergraulen – sie denkt, das geschehe allein zu ihrer Unterhaltung. Seine Rolle als Katzenschreck muss er erst noch üben. „Du Viiiiiech“ klingt in Rosis Ohren wie ein Kosename und als Herr Bort einen Baumstamm zum Schutz vor ihren Krallen mit einer Schnur umwickelt, ist sie gerührt: Der Nachbar hat einen Kratzbaum für sie gebastelt! Ist das nicht wahnsinnig lieb von ihm?

Selbst als er zu rabiateren Methoden greift und Rosi mit dem Gartenschlauch nassspritzen will, ist das für die Katze ein lustiges Spiel: Sie hüpft begeistert über den Wasserstrahl.

Ja, die Geschichte der Kommunikation zwischen Katze und Mensch ist voller Missverständnisse. ;-)

Herrn Borts letzte Hoffnung ist seine Blockflöte. Schrille Tonleitern müssten dem „Viiiiiech“ doch in den Ohren wehtun. Das ist auch so. Aber auf Dauer macht es auch Herrn Bort keinen Spaß, dem Musikinstrument nur unangenehm fiepsige Töne zu entlocken. Er besinnt sich auf die Melodien, die er früher gern gespielt hat und bekommt wieder Freude am Musizieren. Das gefällt auch Katze Rosi.

Mit dem Latein am Ende
Jetzt ist der katzengeplagte Nachbar endgültig mit seinem Latein am Ende. Wenn er das Tier schon nicht vertreiben kann, hilft es vielleicht, wenn er es ignoriert. Aber das ist für Katzen die ultimative Höflichkeitsbezeugung. So kann er die zutrauliche Rosi also auch nicht verscheuchen. Und so nutzen sie den Garten fortan gemeinsam. Das ist für beide eigentlich ganz nett.

Als Herrn Bort die Chance bekommt, Rosi ein für allemal loszuwerden, fragt er sich plötzlich, ob er das überhaupt noch will. Wenn nicht, muss er nun schnell eine Entscheidung treffen ...

Ach, ist das schön, wie die arglose Rosi den griesgrämigen Nachbarn „auftaut“ und ihm wieder ein bisschen Lebensfreude zurückgibt!

Ich kann nicht beurteilen, ab welchem Alter die Kinder begreifen, dass die Katze unverdrossen freundlich bleibt, weil sie gar nicht versteht, dass der Mensch ihr etwas Böses will. Und dass sie ihn genau mit dieser naiven Zutraulichkeit schließlich auf ihre Seite zieht. Ob das Bilderbuch die passende Lektüre ist, muss derjenige einschätzen, der das Buch für ein Kind im entsprechenden Alter erwirbt. Als erwachsene Leserin fand ich die Geschichte sehr rührend und bezaubernd – und witzig obendrein.

Diese zunächst einseitige Liebe des Tiers zum Menschen hat mich stellenweise an Claus Beeses Buch ICH HABE GAR KEINE KATZE erinnert. www.tiergeschichten.de/2017/04/13/claus ... ine-katze/ Andere Zielgruppe, andere Tonalität – aber die Erkenntnis bleibt dieselbe: Katzen haben es einfach drauf, uns mit ihrem Charme um ihre Pfoten zu wickeln, egal, wie sehr wir uns dagegen sträuben. Und manchmal ist es genau das, was wir gerade brauchen.

Die Autorin
Andrea Behnke hat Politikwissenschaft, Publizistik und Anglistik studiert. Nach einigen Jahren Festanstellung arbeitet sie seit Ende 1999 als freiberufliche Autorin und Schriftstellerin. Sie schreibt Geschichten - wahre und erfundene, für Kinder und Erwachsene. Sie schreibt Bücher. Und sie arbeitet für Non-Profit-Einrichtungen, fürs Radio und für Online-Medien. Mehr zu ihr: www.andreabehnke.de

Die Illustratorin
Mele Brink, geboren 1968 in Ostwestfalen, lebt seit Mitte der 1980er-Jahre in Aachen. Nach einem Architekturstudium hat sie sich dann doch lieber der Zeichnerei verschrieben und produziert seitdem heitere Bilder für kleine und große Menschen. Das macht sie im Atelier am Pastorplatz. www.melebrink.de

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