Jordis Lank: Rauklands Blut, Band 2 der Raukland-Trilogie (ab 12 J.)

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Vandam
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Jordis Lank: Rauklands Blut, Band 2 der Raukland-Trilogie (ab 12 J.)

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Jordis Lank: Rauklands Blut, Band 2 der Raukland-Trilogie, Luxemburg 2020, Independently published/Amazon Europe, ISBN 978-1-6956447-7-9, Softcover, 384 Seiten, Format: 12,7 x 2,5 x 20,3 cm, Taschenbuch: EUR 12,99, Kindle: EUR 3,99.

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Ronan, der 18-jährige Prinz von Raukland, hat im vergangenen Jahr genau das getan, wozu ihn sein Vater, König Azel, mit brachialer Gewalt gezwungen hat: Er hat die strategisch wichtige Nordmeer-Insel Lannoch erobert. Okay: Soldaten waren nicht im Spiel, eher mehr oder weniger faule Tricks. Aber jetzt hat Ronan dort das Sagen. Der Prinz, wohlgemerkt – nicht sein Vater und auch sonst keiner in Raukland. Was König Azel aber herzlich wenig interessiert. Er macht schon Pläne für die Insel, die ihm gar nicht gehört.

Eine Braut hat Ronan auch gefunden: die impulsive Prinzessin Eila, die Enkelin des amtierenden Königs von Lannoch.

Unliebsame Konkurrenz für den Thronfolger
Jetzt ist Ronan widerwillig zurück in Raukland – mit einem Mitbringsel, auf das er gut verzichten könnte: Sein älterer Bruder Faolan ist mitgekommen. Der war als Fünfjähriger verschwunden und als angebliches Waisenkind bei einer armen Familie aufgewachsen. Dort hat man ihm den Namen Broghan gegeben. Den führt er auch weiterhin. Bis vor kurzem hat Broghan noch keine Ahnung gehabt, dass er ein Königssohn ist und Anspruch auf den Thron von Raukland hat. Seit er das weiß, ist er wild entschlossen, sich zu nehmen, was ihm zusteht.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Broghan ist ebenso grausam und rücksichtslos wie sein Vater, König Azel. Der ist überaus angetan von seinem Erstgeborenen. Ronan war ihm immer zu grüblerisch, zu menschenfreundlich und in seiner Friedfertigkeit zu schwach. Dass dies womöglich die bessere Art ist, mit Untertanen und Nachbarländern klarzukommen, kommt dem König nicht in den Sinn.

Nun verfolgt jeder verbissen seine Ziele:
  • König Azel von Raukland bricht einen Krieg mit dem benachbarten Königreich Angent vom Zaun. Es geht um alte Grenzstreitigkeiten.
  • König Bellingor von Angent hat mehr Verstand als sein rauflustiger Nachbar Azel und will den Frieden dadurch erkaufen, dass er dem künftigen König von Raukland seine Tochter Hannah zur Frau gibt. Damit meint er Ronan. Aber ist das schon sicher?
  • Ronan versteht Bellingors Ansinnen. Aber eigentlich will er mit dem Königskram gar nichts zu tun haben. Er zieht ein ruhiges Leben in Lannoch vor – mit Prinzessin Eila an seiner Seite. Doch ihm graut vor der Vorstellung, dass sein brutaler Bruder Broghan König werden und Raukland in den Ruin treiben könnte. Aus Verantwortungsgefühl würde Ronan sich der Aufgabe, das Land zu regieren, notfalls stellen. Auch mit Hannah von Angent als Königin, wenn’s gar nicht anders geht.
  • Broghan/Faolan will mit aller Gewalt König werden. Darauf, dass sich sein Vater für ihn als Thronfolger entscheiden könnte, will er nicht warten. Er ist bereits um 18 Jahre seines Lebens bei Hofe betrogen worden, jetzt reicht’s ihm. Der sicherste Weg zum Thron ist der, seinen lästigen Konkurrenten Ronan zu beseitigen – und dessen Zwillingsschwester Kiara am besten gleich mit. Die steht als Frau zwar nicht auf der Thronfolgerliste und hat mit den Intrigen bei Hofe nichts zu schaffen, weil sie ein ganz anderes Leben führt, doch sicher ist sicher.
  • Prinzessin Eila von Lannoch will Ronan und sonst nichts. Wenn Broghan sich um den Job als König reißt, dann soll er ihn doch haben! Was kümmert sie Raukland?
  • Prinzessin Hannah von Angent ist eine kluge und besonnene Frau. Sie wird tun, was für ihr Land das beste ist.
  • Und dann ist da noch Zhodan, der alte Raukland-Krieger, der Prinz Ronan großgezogen und zum Schwertkämpfer ausgebildet hat. Er will lieber den vernünftigen Ronan als den grausamen Broghan auf dem Thron sehen. Dafür würde er alles tun. Fast alles. Denn ihn bindet ein Blutschwur – und er hütet ein brisantes Geheimnis.
Der junge Prinz ist überfordert
Ronan, der arme Junge, ist völlig überfordert von all den konkurrierenden Interessen. Diverse Leute versuchen, ihn für ihre eigenen Ziele einzuspannen und auszunutzen, wenn sie ihm nicht gar ans Leder wollen. Er hat zwar schon viel Schlimmes erlebt, aber er ist und bleibt ein Teenager, der den Machenschaften lebenserfahrenerer Intriganten nicht viel entgegenzusetzen hat. So heimtückisch und barbarisch, wie sein Bruder handelt, kann er nicht einmal denken, und dem eleganten Raffinement des Königs von Angent ist er erst recht nicht gewachsen. Weil er nur brutale Haudraufs kennt, merkt er nicht, wie der kultivierte Herrscher des Nachbarlands ihn mit seiner freundlichen Art einwickelt.

Ronan kann sich auf niemanden verlassen, nicht einmal auf sein eigenes Urteilsvermögen. Und so trifft er eine Reihe von zweifelhafte Entscheidungen.
  • Ist es eine gute Idee, dass er die angentische Prinzessin Hannah entführt und als Geisel nach Raukland bringt? – Wenn man so denkt wie Azel und Broghan, dann vielleicht. Aber durch diese Aktion verbaut er sich eine friedliche Lösung für den Konflikt mit dem Nachbarland.
  • Ist es klug, Prinzessin Eila und seine Schwester Kiara außer Landes in Sicherheit bringen zu lassen? – Klar. Aber wenn man sich dabei so unbedarft anstellt wie der junge Prinz, braucht man sich nicht zu wundern, dass die beiden Frauen dadurch erst recht in Gefahr geraten.
  • Ist es sinnvoll, sich mit einem der wenigen Menschen, die es vorbehaltlos gut mit ihm meinen, wegen etwas zu zerstreiten, das 20 Jahre her und nicht mehr zu ändern ist? – Nein, das ist in höchstem Maße albern und kindisch und grenzt in diesen gefährlichen Zeiten an Selbstmord. Aber, wie gesagt, der Prinz ist eben noch sehr jung.
Die Damen wissen, was sie wollen
Wenn Ronan mit Prinzessin Eila oder mit seinem eigensinnigen Rappen Gismo unterwegs ist, dann ist er in seinem Element. Kampftraining ist auch sein Ding, aber blutige Thronfolgekämpfe oder diplomatische Verhandlungen mit Nachbarländern sind ein paar Nummern zu groß für ihn. Damit sollte sich so ein junger Bursche wie er gar nicht befassen müssen, schon gar nicht allein.

Die jungen Damen scheinen mir hier viel reifer zu sein als die gleichaltrigen Herren. (Vielleicht nicht nur hier ...). Prinzessin Eila ist spontan, tatkräftig und bisweilen ein wenig leichtsinnig. Aber wie sie versucht, ihrem Ronan ein Leben in Lannoch schmackhaft und Raukland madig zu machen, das hat was! Die Frau weiß, was sie will und sie steht dazu. Hannah von Angent ist noch abgeklärter als Eila. Und Ronans Schwester Kiara hält sich aus allem raus. Das ist das Allerklügste.

Ein Skandal als Chance?
Als ein Geheimnis ans Licht kommt, erschüttert das das Königshaus von Raukland in seinen Grundfesten. Nach dem ersten Schock sieht Ronan darin die Chance für einen Neuanfang. Aber kann er sein bisheriges Leben und alles, woran er bis jetzt geglaubt hat, einfach so hinter sich lassen? Oder macht er es sich damit auf anderer Leute Kosten zu einfach? Das wird in Teil 3 noch spannend werden!

RAUKLANDS BLUT ist eher Fantasy als historischer Roman, auch wenn es hier keine Magie gibt und Drachen nur Sagengestalten sind. Die Länder und ihre Herrscher sind eben fiktiv. Es ist eine raue Welt, die Jordis Lank hier ersonnen hat. Es wird gekämpft, gefoltert und gemordet – in einem Ausmaß, in dem es Autorinnen in ihren Romanen sonst nur selten tun. Es ist aber verflixt gut gemacht!

Hatte ich Band 1 wegen des Teenie-Helden noch für ein Jugendbuch gehalten, bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher. Jetzt würde ich sagen: Wer GAME OF THRONES verkraftet hat, wird auch in Raukland zurechtkommen.

Band 3, habe ich gerüchteweise gehört, sei noch temporeicher als der vorliegende. Da braucht man ja Herztropfen! Aber jetzt will ich unbedingt wissen, was das Schicksal für Ronan, die Prinzessinnen und Raukland noch bereithält. Wie wird Ronan sich entscheiden, wenn er tatsächlich die Wahl hat? Für Liebe oder Pflicht?

Outtakes im Anhang
Die Autorin nimmt ihre Leser*innen und ihre Romanfiguren ernst, aber sich selbst nicht so sehr. Wie im ersten Band, gibt es auch hier im Anhang eine Sammlung von überaus amüsanten „Outtakes“. Das sind lustige Tippfehler und verunglückte Formulierungen, die es zum Glück nicht in den eigentlichen Roman geschafft haben. Das wussten die Autorin sowie das Lektorat/Korrektorat erfolgreich zu verhindern! Hier waren eben Profis am Werk.

Die Autorin
Jordis Lank kam Anfang der siebziger Jahre im äußersten Zipfel des Bergischen Landes zur Welt. Zusammen mit vierzehn Hühnern, einem Hahn, 623.484 Bienen und geschätzten fünf Kaninchen wuchs sie in einem riesigen, halbwilden Garten auf. Wenn sie nicht gerade schreibt, wirft sie Bälle und Keulen in die Luft, sucht verborgene Schätze per GPS oder spielt sich mit Freunden durch Brettspielestapel - das Erzählen von Geschichten ist und bleibt jedoch ihre größte Leidenschaft. Jordis Lank freut sich, von ihren Lesern zu hören - gerne können Sie mit ihr über ihre Homepage http://www.jordis-lank.de/ oder ihr Facebook Profil https://www.facebook.com/jordis.lank in Kontakt treten.

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