In den Lagern von AMAZON

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Marcus T. Cicero
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In den Lagern von AMAZON

Beitrag von Marcus T. Cicero » Do 14. Feb 2013, 23:29

Gestern wurde in der ARD eine interessante Dokumentation von Diana Löbl und Peter Onneken „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ über das prekäre Leben der ausländischen Leiharbeiter in deutschen Amazon-Lagern gesendet:
http://www.ardmediathek.de/das-erste/re ... d=13402260

Das folgende, charakteristische Zitat stammt aus der Dokumentation (ca. Minute 16) und nicht aus dem Adolf Eichmann Prozess:
„Ich will jetzt von Ihnen nichts mehr hören von wegen Menschen, ich zähle in Bussen!“

Da wundert es einen dann auch nicht mehr, wenn die Aufseher der Arbeiter aus rechten Kreisen stammen. :!:

Frank Lübberding von FAZ.Net berichtet ausführlich über die Dokumentation:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/m ... 80064.html
Zuletzt geändert von Marcus T. Cicero am Do 7. Mär 2013, 21:29, insgesamt 1-mal geändert.

Marcus T. Cicero
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » Fr 15. Feb 2013, 17:51

Ein kleiner Verlag hat die Zusammenarbeit mit AMAZON gekündigt. Amazon arbeitet nicht nur mit ausländischen Leiharbeitern und kostenlosen HARTZ IV Praktikanten, sondern nutzt seine wirtschaftliche Macht, bei kleinen Verlagen gnadenlos zuzulangen:

"Der Verleger führt etwa "überzogene Rabattforderungen" von 55 Prozent für kleine Verleger ins Feld, die sich aus 50 Prozent Rabatt plus 5 Prozent Lagerungskosten zusammensetzten. "Dass aber Waren, die nachweislich Durchlaufposten sind, auch ohne Lagerung diese 5% zusätzlichen Kosten verursachen, war uns schon immer unverständlich", so Schroer weiter. Des weiteren wirft Schroer Amazon "luftige Buchungstricks bei der Umsatzsteuer" vor, "dass Sie von kleinen Zulieferern verlangen, Rechnungen zu stellen, die dann ins EU-Ausland versandt werden müssen; dass Sie sich vertraglich einen unglaublichen Skontorahmen einräumen lassen. Dass neue, frisch angelieferte Titel in Ihrem eigenen "Marketplace"-Anbieterkonto als Mängelexemplare auftauchen. Und dass Sie Kommissionswaren remittieren, die Sie nicht pfleglich behandelt haben und diese somit vom weiteren Verkauf ausgeschlossen sind." Das alles sei kaum hinnehmbar."

Quelle: http://www.horizont.net/aktuell/marketi ... 12974.html

Schrölk
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Schrölk » Fr 15. Feb 2013, 18:43

Die Stellungnahme von Amazon zum ARD-Bericht wird natürlich nicht unterschlagen ;)

http://www.buchmarkt.de/content/53911-s ... efert-.htm
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Marcus T. Cicero
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » So 17. Feb 2013, 17:03

Schrölk hat geschrieben:Die Stellungnahme von Amazon zum ARD-Bericht wird natürlich nicht unterschlagen
Aus der von Schrölk verlinkten (http://www.buchmarkt.de/content/53911-s ... efert-.htm ) Stellungnahme aus Amazon Public Relations Abteilung von der Amazons PR Chefin Christine Höger:

„Über 7.700 festangestellte Mitarbeiter arbeiten in den deutschen Amazon-Logistikzentren, in der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein.“

Die PR-Frau gibt leider keine Zahlen heraus, wie viele Tausend Leiharbeiter saisonal bei Amazon über das Jahr angestellt werden. Lt. Reportage seien dies bis zu 10.000! Zwei konkrete Beispiele aus der Reportage:
Im Amazon-Logistik-Zentrum Koblenz seien von 3300 Arbeiter 3100 befristet eingestellt.
Im Augsburger Lager seien von 5038 Menschen in der Weihnachtssaison 2012 dort arbeitenden Menschen nur 1038 fest angestellt.

"Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto.“


Dies bestätigt, was Verdi sagt: Amazon sei Preisdrücker in der Versandhandelsbranche, wobei 9,30 Euro sogar noch etwas niedriger als von Verdi angegeben ist: Siehe http://www.amazon-verdi.de/hintergrunde/
Im Film war die davon die Rede, dass sogar nur 8,52 Euro bezahlt wurden, obwohl zunächst 9,62 Euro versprochen wurden. Der Restbetrag werde für Kost und Logis gezahlt, sagte die Zeitarbeitsfirma. Falls dem so wäre, müssten solche Sachleistungen ordnungsgemäß versteuert werden.

Wird bei Firmen oder in der Politik ein Skandal ruchbar, dann erfolgt von der klassische Dreiklang der Krisen-PR-Kommunikation mit der Öffentlichkeit:

I. Wir nehmen das Problem ernst und sind selbst betroffen.
II. Wir sind dabei die Vorgänge/ Vorwürfe/ Vorfälle zu prüfen.
III. Sollte sich diese bei der Prüfung erhärten, dann werden wir sofort geeignete Maßnahmen ergreifen und geloben Besserung.

Damit wird selbstverständlich offen gelassen, warum nicht vorher kontrolliert wurde oder warum man nicht vorher den Hinweisen nachging. (Für Politiker ist es unter Punkt III daher extrem wichtig zu betonen, dass man nicht selbst, sondern andere verantwortlich waren).

Lesen wir, was Amazon schreibt:

"Sicherheit hat oberste Priorität in unseren Logistikzentren. Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig. Wichtig ist uns hier auch die Rückmeldung unserer Mitarbeiter: Wann immer Mitarbeiter Verbesserungen im Rahmen der Arbeitsbedingungen oder der Unterbringung vorschlagen, prüfen wir dies umgehend.

Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.

Unser Ziel ist es, Bestellungen unserer Kunden jederzeit schnell und zuverlässig auszuliefern. Wir wissen: Das geht nur mit zufriedenen Mitarbeitern - unabhängig davon, ob sie langfristig beschäftigt, saisonal angestellt oder uns über eine Zeitarbeitsfirma unterstützen. Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten."


Laut Reportage versuchten die beiden Redakteure monatelang und ergebnislos Amazon zu einer Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen zu bewegen.

Marcus T. Cicero
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » Mo 18. Feb 2013, 17:01

Headlines ausländischer Zeitungenen (The Independent UK) über den Amazon-Lager-Report wie

„Amazon 'used neo-Nazi guards to keep immigrant workforce under control' in Germany“

http://www.independent.co.uk/news/world ... 95843.html

haben unsere Politiker offenbar aufgeschreckt. :D

Allen voran Kanzlerin Merkel, die von Amazon eine Erklärung verlangt:
http://www.independent.co.uk/news/world ... rnalSearch

Merkels profilierungssüchtige Bundesleiharbeitsministerin von der Leihen, äh Leyen, droht publicityträchtig mit dem Entzug der Lizenz der von Amazon engagierten Zeitarbeitsfirma:
http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... mazon.html

Ferner ist dem WELT- Artikel zu entnehmen, dass sich sogar Bundesfinanzminister Schäuble für Amazon interessiert:

„Obwohl der Konzern in Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr umgerechnet 6,45 Milliarden Euro einnahm, zahlt er seine Steuern fast nur in den USA und am europäischen Hauptsitz in Luxemburg.

Deswegen ist Amazon auch ins Visier von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geraten, der die Steuersparpraxis der amerikanischen Konzerne hierzulande lauthals kritisiert.“


Und während Amazon vorher die Hinweise und Anfragen der beiden Redakteure geflissentlich ignoriert hat, trägt der Druck der Öffentlichkeit erste Früchte - die rechtslastigen Aufseher der angekarrten Fremdarbeiter müssen gehen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 84036.html

Vielleicht werden sie vom BND als V-Männer für die NPD engagiert. :D

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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » Di 19. Feb 2013, 19:08

Laut Deutschlandfunk war es ein Artikel in der New York Times über die ARD Dokumentation, der die Amazon Oberen in SEATTLE reagieren ließ: http://www.nytimes.com/2013/02/16/world ... nters.html

Dem Artikel kann man ferner die Bedeutung des deutschen Marktes für Amazon entnehmen:

„Germany is Amazon’s most important market after the United States. It recorded revenues of $8.7 billion here last year, part of the $61 billion it generated worldwide.” (Billion = Milliarde)

Amazon hat nun auch der Zeitarbeitsfirma gekündigt:

„ARD-Reporter Onneken sieht die neuesten Reaktionen von Amazon im Gespräch mit Süddeutsche.de hingegen kritisch: "Die packen das Problem mit den Leiharbeitern nicht an der Wurzel. Was bringt es, wenn jetzt wieder einem Dienstleister gekündigt wurde? Vergangenes Jahr hieß der noch anders, der wird sich doch wieder nur umbenennen - und dann wird es weitergehen wie zuvor."“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/s ... -1.1603790

Gestern in den Tagesthemen ein hörenswerter Kommentar von Kirsten Girschick vom Bayrischen Rundfunk über Amazon und „die Ausbeutung als Geschäftsprinzip“ (ca. ab Minute 10):
http://www.ardmediathek.de/das-erste/ta ... d=13454786

Was in allen Kommentaren zu Amazon zu kurz kommt:

Amazon ist ein hochprofitables Unternehmen, das nicht niedrige Löhne zahlt, weil es die Produktivität nicht anders hergäbe, sondern keine höheren Löhne zahlen will, um entsprechend höhere Profite zu machen. Am Ende stehen einerseits der deutsche Staat, der den Niedriglöhnern von einst – egal, ob in Zeitarbeit oder in fester Anstellung – die Rente mit Sozialhilfe aufstocken muss und andererseits die lokalen und anständig zahlenden Buchhandlungen, die trotz gleich hoher Buchpreise schließen müssen.

Amazon ist gerade aufgrund der Buchpreisbindung nicht günstiger als andere Onlineversender oder lokale Buchhändler. Hierin irrt der folgende Kommentar von Thomas Öchsner, der den Amazon-Kunden eine Mitschuld geben will:

„Bei dem US-Konzern ist das Ausbeuten von Menschen allerdings Teil des Geschäftserfolgs. Die Mitarbeiter zahlen den Preis für die Niedrigpreise und den Service, den die Amazon-Kunden so schätzen: Der Versandhändler ist nicht für Tariflöhne bekannt. In einigen Logistikzentren gibt es keinen Betriebsrat. Das Unternehmen behandelt Beschäftigte wie potenzielle Diebe, die es - wie Gäste am Flughafen - täglich kontrolliert. Es hat mit Hilfen der Arbeitsagenturen Arbeitslose mehrmals hintereinander auf Probe und ohne Bezahlung beschäftigt, ohne dass sie - anders als versprochen - eine feste Anstellung bekommen hätten. Hinter Amazon verbirgt sich ein Arbeitgeber, der gut in frühkapitalistische Zeiten gepasst hätte.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/a ... .1603584-2

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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » Mi 20. Feb 2013, 18:28

I.

„Beim Einsatz von Zeitarbeitern durch den Versandhändler Amazon ist es zu Verstößen gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gekommen. …

In einem ARD-Fernsehbeitrag wurden die Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter kritisiert und über mögliche Gesetzesverstöße bei der Unterbringung und Abrechnung spekuliert.


Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/u ... 87577.html (Eigene Hervorhebung)

Wundert uns ja nicht. Siehe Posting vom 17.02.2012 :D

II.

Ein weiterer kleiner Verlag hat die Zusammenarbeit mit Amazon gekündigt:

„Der Kunst- und Literaturverlag Ch. Schroer in Lindlar bei Köln und der Mainzer VAT Verlag kündigten ihre Kooperationsverträge bei Amazon. Grund seien "katastrophal schlechte Konditionen", die Amazon Kleinverlegern gewähre, schrieb der Verleger André Thiele in einem offenen Kündigungsbrief.

Unter anderem machten hohe Rabattforderungen und ein immenser Verwaltungsaufwand den Vertrieb der Bücher über Amazon unrentabel. Für die Lieferanten gebe es bei Amazon auch keine direkten Ansprechpartner, sagte VAT-Vertriebsleiterin Katrin Witzleben am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die Mitarbeiter der Hotline könnten oft nicht genug Deutsch.“


Gigantische Gewinnspannen und schlechten Service! :evil:

III.

Das Bundeskartellamt hat endlich nach der Klage des Online-Plattformbetreibers Hood einen alten Amazon-Bekannten entdeckt: Die wettbewerbsbeschränke Preisparität. Siehe den zugehörigen Booklooker Thread:
viewtopic.php?f=8&t=8440&start=105

Wird höchste Zeit das sich das Bundeskartellamt die Stellung Amazons insgesamt und nicht nur in der Buchbranche vornimmt. :D

Marcus T. Cicero
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » So 3. Mär 2013, 22:16

Die Süddeutsche gibt einen detaillierten Einblick in Amazons Lagerleben:

„Der Packer: In der Pack-Abteilung herrschte unmenschlicher Zeitdruck: Bei den Singlepacks (Pakete mit einem Produkt) musste jeder pro Stunde 200 Stück verpacken. Ich schaffte im Schnitt etwa 75 bis 100 Prozent. Bei den Multipacks (zwei Artikel oder mehr) muss man 100 Päckchen pro Stunde schaffen. Das ist aber nicht machbar. Meine Bestleistung lag bei 75 Prozent. Die Chefs sehen auf ihrem PC, wie viel Prozent du hast. Das wird dir dann am nächsten Tag bei Schichtbeginn gesagt.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/neue- ... -1.1614066

FOCUS Online über die White Collar Worker bei Amazon:

„ „Mitarbeiter werden ständig an Leistungsvorgaben gemessen, von denen in den Arbeitsverträgen gar nichts steht“, erzählt Wengert. „Wenn sie die Vorgaben einmal nicht erreichen, werden sie durch Gespräche unter Druck gesetzt.“ Diese Gespräche liefen auf eine recht perfide Art ab: „Was ist los, warum schaffst Du das nicht?“, fragten Vorgesetzte gerne, mit einem vermeintlich jovialen Unterton.
Die Vorgaben würden dabei aber nie in Frage gestellt. Stattdessen drohe der Jobverlust: „Wer längerfristig unter den Anforderungen bleibt, dessen Vertrag wird nicht verlängert.“


Quelle: http://www.focus.de/finanzen/news/unter ... 26999.html

In der FAZ ist ein ausführlicher Artikel über Amazons Allmacht und einem Beispiel wie Amazon bei Händlern die Preisparität durchdrückt:

„Guten Tag!“, schrieb ein Amazon-Mitarbeiter etwa im vergangenen Juni an den süddeutschen Möbel-Importeur Dieter Henschel. Man habe festgestellt: Henschel biete seine Ware auf Amazon teurer an als auf Plattformen wie Ebay. Henschel antwortete, es bleibe ihm nichts anderes übrig: Amazon verlange schließlich auch höhere Gebühren von den Händlern als Ebay, schmälert also ihre Gewinnmarge. …
Nach der zweiten Mahnung und einem Drohanruf per Telefon gab Henschel klein bei und erhöhte seine Preise bei Ebay um zehn Prozent. Zehn Millionen setzt Henschel im Jahr um, ein Drittel davon bei Amazon: „Kein Online-Händler kann sich leisten, dort nicht zu verkaufen.“ Deshalb will der Endvierziger seinen richtigen Namen auch nicht in der Zeitung lesen, fürchtet er doch die Rache. Bald, rechnet Henschel die Entwicklung seiner Umsätze hoch, verkaufe er jedes zweite Produkt auf der Seite der Amerikaner, was Amazons Dominanz wiederum weiter verstärke: „Das ist ein Teufelskreis.“


Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/u ... 91944.html

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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von overdrive » Mo 4. Mär 2013, 17:54

Hallo miteinander,

also DAS, was in div. aktuellen Berichten über Amazon zu erfahren war, ist natürlich alles andere als schön, aber inwieweit distanziert es sich denn von zahlreichen anderen (Groß-) Unternehmen, in Deutschland, Europa, USA, bzw. weltweit?

Klamottenlabels f. Billigketten, Non-Food-Artikel f. Discounter, Gemüseanbauplantagen für namhafte Supermarktketten usw. usf. .... alle nutzen die Notsituation der Menschen, die für sie arbeiten, aus und der Konsument profitiert davon; anders wäre das nicht möglich.

Es liegt mir fern, die Vorgehensweisen von Amazon hier nur ansatzweise gut heißen zu wollen; im Niedriglohnsektor bilden sie aber (leider) keineswegs die Ausnahme und ich persönlich empfinde es wirklich als heuchlerisch, jetzt mit weit offenem Mund dazustehen und den Erstaunten zu spielen.

NATÜRLICH wird das eine Übel unter Wahrnehmung anderer Übel NICHT legitim dadurch, oder erhält auch keine Berechtigung, aber DAS, was die Journalie vs. Amazon hier "aufdeckt" ist kein Stück erschreckender, als der Bericht über GLS, indem sich auch Wallraff inkognito beim Job verheizen ließ. Es gibt massenhaft Beispiele dieser Art.

Wo soll der mündige Bürger nun anfangen seine Abneigung zu zeigen? Soll er jetzt aufstampfend aus Protest sein Amazon-Konto kündigen? Dann sollte er der Wahrheit zuliebe aber auch anderweitig konsequent sein und in der Gesamtheit ausbeuterische Unternehmen ignorieren (und nämlich nicht nur dann, wenn div. Auswüchse mal eben medientauglich sind!). Das ginge ja soweit, dass man nicht mehr zum Frisör geht, weil man damit einen Niedriglohnsektor unterstützt (Ironie-Smiley bitte jetzt hier vorstellen).

_____

Der TE dieses Threads erwähnte eine Aussage dieses Möbelhändlers, welcher der Meinung war, dass es sich kein Onlinehändler leisten kann, auf Amazon zu verzichten.

Ich persönlich bin da völlig anderer Meinung, denn ähnliche Aussagen gab es schon zuhauf bzgl. der "Bucht", welche sich - und dies ist in der Hauptsache eine Frage des pers. Engagements - als unwahr erwiesen, insofern man die eigene Bequemlichkeit gegen die Abhängigkeit (auch Kosten) einer weiltweit erfolgreich agierenden Plattform abwägt. Nach meiner Meinung ist Selbständigkeit etwas völlig anderes, als auf Amazon und ebay Artikel einzustellen, zu verpacken und zu versenden - da gehört doch etwas mehr dazu. Ein gesunder Mix, last not least auch zu Werbezwecken, beinhaltet im Optimalfall alle angesprochene Möglichkeiten.
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Buttonnose » Di 5. Mär 2013, 09:46

@ overdrive

Danke, da bleibt eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, diesen Beitrag kann ich nur unterschreiben!
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » Di 5. Mär 2013, 19:37

I.
overdrive hat geschrieben: Dann sollte er der Wahrheit zuliebe aber auch anderweitig konsequent sein und in der Gesamtheit ausbeuterische Unternehmen ignorieren (und nämlich nicht nur dann, wenn div. Auswüchse mal eben medientauglich sind!).
Selbstverständlich sollte er es immer tun, wenn es ihm bekannt ist und es Alternativen gibt. Die Kaufkraft jedes Konsumenten entscheidet mit. Im Buch- und Medienhandel gibt es wahrlich eine Menge gleichwertiger Alternativen zu Amazon. Selbst kleine lokale Händler bieten mittlerweile Internetbestellung an.

Amazons Gewinnspanne (Gross Margin = Umsatz – Kosten) lag in den letzten Jahren im Schnitt bei ca. 23 Prozent. Siehe dazu: http://www.forbes.com/sites/abegarver/2 ... w-prophet/

Wenn nicht die großen, glänzend verdienenden Unternehmen faire und gute Arbeitsbedingungen herstellen sollen,
wer dann? :wink:

II.
overdrive hat geschrieben: Nach meiner Meinung ist Selbständigkeit etwas völlig anderes, als auf Amazon und ebay Artikel einzustellen, zu verpacken und zu versenden - da gehört doch etwas mehr dazu.
Fakt ist nun einmal, dass der Internethandel Jahr für Jahr wächst und dass Präsenz im Internet nicht automatisch auch Wahrnehmung durch potentielle Kunden bedeutet. Der Diversität vieler kleiner Händler steht derzeit quasi ein Duopol zweier großer Handelsplattformen (Amazon und eBay) gegenüber, die damit den Großteil der - nicht in Deutschland versteuerten - Gewinne abschöpfen, obgleich ihre Leistung für diese Händler nur in der Bereitstellung einer Onlineplattform und ggf. noch der Zahlungsabwicklung besteht.

III.

Um sich aus den Fängen und der steigenden Markmacht Amazons zu lösen, bilden einige Buchhändler eine Allianz:

„Mit einer beispiellosen Allianz attackieren deutsche Buchhändler den US-Konkurrenten – und bringen in den kommenden Tagen einen gemeinsamen E-Book-Reader auf den Markt. Amazon soll sich warm anziehen.“

Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article11 ... eader.html

:D

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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von Marcus T. Cicero » Do 7. Mär 2013, 18:34

I.

In der Sendung Kontrovers des Bayrischen Rundfunks vom 06.03.2013 wurde darüber berichtet, wie Amazon mit seinen Marketplace-Händlern - dank seiner Marktstellung - herumspringen kann. Es geht in dem Fernsehbeitrag wieder einmal um das Thema Preisparität, zu der auch Kartellamtschef Mundt zu Wort kommt, die Abhängigkeit vieler Marketplace-Händler von Amazon als Internet-Handelsplattform, das Zurückhalten eingegangener Zahlungen an Händler, sowie das späte Lesen der Luxemburger Amazon AGB:

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches- ... index.html

Regelmäßigen Lesern von Booklooker Threads dürfte Einiges bekannt vorkommen:
Siehe Thread zum Amazon-Opferverband viewtopic.php?f=20&t=11743
Siehe Thread zur Preisparität viewtopic.php?f=8&t=8440

II.

Die Behörden schauen - wie die SZ herausgefunden hat - Amazon genauer auf die schlimmen Finger:

„Sonntagsarbeit ohne Genehmigung
Amazon hat an seinem Standort in der Nähe von Augsburg bereits mehrmals gegen arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen. Das bestätigt jetzt das Gewerbeaufsichtsamt. Wie viele Menschen dort arbeiten, das verschweigt das Unternehmen beharrlich. Wohl aus gutem Grund.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/recht ... -1.1616412

:D

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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von overdrive » Do 7. Mär 2013, 19:25

Guten Abend,

ich habe zum Thema AMAZON auch einiges auf Axel Gronen´s wortfilter.de gefunden und reiche mal zur Vervollständigung die Links nach, in denen dargestellt wird, dass das Bundeskartellamt gegen AMAZON ermittelt: ....

http://www.wortfilter.de/news13Q1/4607- ... Amazon.php

.... und den Link zum Prozesstermin HOOD vs. AMAZON in Köln per 16.05.13:

http://www.wortfilter.de/news13Q1/4610- ... ritaet.php

Mal schaun.

PS: Falls der Inhalt der Links bereits von anderen Usern veröffentlicht wurde (ich weiß es wirklich nicht, denn beim zurückschauen zerbröselts immer meine Verbindung), bitte ich um Entschuldigung.
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Re: In den Lagern von AMAZON

Beitrag von TRSmithFan » Di 19. Mär 2013, 13:34

Diese Diskussion gab es schon vor einigen Monaten, bei Zalando soll es laut Medienberichten (ZDF) zu Folge nach auch schlimm zugehen.
Groß aufregen kann ich mich da nicht mehr, da ist mir auch ehrlich gesagt meine Lebenszeit zu schade ;)

Grüße
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Re: In den Lagern von AMAZON - neue ARD Dokumentation

Beitrag von spiralnebel111 » Di 19. Mär 2013, 13:43

overdrive hat geschrieben:
Wo soll der mündige Bürger nun anfangen seine Abneigung zu zeigen? Soll er jetzt aufstampfend aus Protest sein Amazon-Konto kündigen? Dann sollte er der Wahrheit zuliebe aber auch anderweitig konsequent sein und in der Gesamtheit ausbeuterische Unternehmen ignorieren (und nämlich nicht nur dann, wenn div. Auswüchse mal eben medientauglich sind!). Das ginge ja soweit, dass man nicht mehr zum Frisör geht, weil man damit einen Niedriglohnsektor unterstützt (Ironie-Smiley bitte jetzt hier vorstellen).
Nun, das wäre super!
Ist natürlich kaum konsequent durchzuziehen, aber eine sehr gute Art seine Meinung zu zeigen. Umsätze und andere Zahlen (Mitglieder zum Beispiel) werden von Industrie und Handel sehr genau beobachtet, und selbst wenn man eine Kette nach einem Fernsehbericht nur eine Zeitlang meidet, wird das sehr wohl registriert - und oft wird auch reagiert! Ich lese die entsprechenden Handelszeitungen, da kann man das sehr schön sehen.
Gilt natürlich nicht nur für Ladenketten, auch einzelne Produkte könnte man meiden. Schönes Beispiel aus der Schweiz: Eine dort sehr beliebte Süssigkeit wurde statt in Papier in Plastik verpackt. Der Umsatz ging sofort deutlich zurück! Und die Papierverpackung war fix wieder da! So einfach geht das!
Anderes Beispiel: Bio-Ware. Wenn ich Bio kaufe, tu ich entweder etwas für meine Gesundheit und die der Umwelt, oder - wenn die Sache nicht ganz seriös oder echt ist, gebe ich immer noch ein Signal: Ja, das wollen wir! Diese Signale werden gesehen und gehört. Schließlich hängt letztendlich alles am Umsatz!

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