Evangelischer Herzensschatz von 1683

Diskussionen rund um wertvolle, alte antiquarische Bücher.
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Plumbear1
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Evangelischer Herzensschatz von 1683

Beitrag von Plumbear1 » Mi 11. Mai 2016, 10:11

Ja Ihr habt richtig gelesen... 1683... Dieses Buch hat ich weiß nicht wieviele Jahre in einem alten Schrank herumgelegen und dort habe ich es nun gefunden. Es wiegt ca 2 Kg, hat ca 500 Seiten , ist in Holz und geprägtem Leder (so sieht es jedenfalls aus) gebunden und macht für sein extrem hohes Alter noch eine gute Figur. Ich habe versucht online etwas darüber herauszufinden, bin jedoch nur auf jüngere Exemplare gestoßen. Im ersten Teil ("Sonntags-Theil worinnen die gewöhnlichen Sonntags-Evangelien durchs gantze Jahr vorgestaltet erweget werden") fehlen die Seiten 49-72 und 85-108. Weitere Fehlstellen konnte ich nicht ermitteln. Kann mir jemand vielleicht sagen was es wert ist? Bilder kann ich gerne senden. Chris

mcadder
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Re: Evangelischer Herzensschatz von 1683

Beitrag von mcadder » Do 19. Mai 2016, 12:07

Hallo,

Ohne Bilder kann man den Wert nur schwer einschätzen. Ist die Bindung noch intakt, oder gibt es außer den fehlenden noch lose Blätter? Ist der Buchrücken noch komplett, haben die Seiten Flecken, Wurmspuren oder Ein- und Abrisse?
Es gibt in jedem Alter Bücher, die auch heute noch aussehen, als wären sie gestern gedruckt worden. Daher muss auch bei einem alten Buch jeder Mangel beschrieben werden und mindert leider auch den Wert. Die einzigen Bücher, die tatsächlich nur wegen ihres Alters wertvoll sind und in jedem Zustand gesammelt werden, sind Inkunabeln, also jene Bücher die vor 1500 gedruckt wurden.
Nur einmal grob, die fehlenden Seiten sind hier stark wertmindernd, inkomplette Bücher sind nur bei extrem seltenen Büchern sammelwürdig.
Hier handelt es sich "nur" um ein Erbauungsbuch. Früher waren die Menschen gläubig und solche Bücher wurden in verhältnismässig hohen Stückzahlen und über Jahrhunderte ohne große Neuigkeiten gedruckt. Der Name des Autors änderte sich und ein wenig in den Kommentaren, aber im Grunde sind alle diese Bücher austauschbar.
Im Gegensatz zu zB Reisen oder Naturwissenschaften gibt es dafür auch kaum Sammler.
Gibt es in deinem Buch Holzschnitte oder Kupferstiche, also Bilder?
Das könnte ebenso wie ein wirklich kunstvoller gut erhaltener Einband den Wert steigern.

lg

Plumbear1
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Re: Evangelischer Herzensschatz von 1683

Beitrag von Plumbear1 » Fr 20. Mai 2016, 10:40

Hallo, vielen Dank für die ehrliche Meinung... Ich vermutete schon daß religiöse Bücher einen vergleichsweise niedrigen Wert haben. Das Buch hat tatsächlich Wurmlöcher, allerdings nur sehr wenige. Einige Seiten sind mit Bildern illustriert, allerdings kann ich nicht sagen wie diese Bilder hergestellt wurden. Eine lose Seite (auch mit einer Illustration) befindet sich in dem Buch, allerdings sind die Kanten so stark beschädigt daß die Seitenzahl fehlt, d.h. ich kann nicht genau feststellen wo diese Seite genau hingehört. Alle Seiten des Buches sind an den Kanten spröde und "zerfleddert". Das Ganze vermittelt einen sehr authentischen "Harry Potter Eindruck".
Der Einband ist komplett bis auf die Messing (?) beschläge, bei diesen fehlen die - ich vermute - Schnallen, mit welchen das Buch "verschlossen" wurde. Der Einband ist abgenutzt und geschwärzt, und an den Außenkanten teilweise beschädigt. Das Gleiche gilt für den Rücken.
Vielleicht war ich bei der Beschreibung des Zustandes etwas optimistisch da ich noch nie so ein altes Buch in Händen hielt... Ich hatte versucht Bilder hochzuladen, aber aus irgendeinem Grund hat das nicht funktioniert.

artco
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Re: Evangelischer Herzensschatz von 1683

Beitrag von artco » Fr 20. Mai 2016, 12:02

Du könntest Dein Exemplar noch mit diesem von 1729 vergleichen: https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Q ... 1xiSm01ZZZ
Schlecht ist allerdings, dass in Deinem so viele Seiten fehlen. Aber eine Erstausgabe ist sonst nur in Bibliotheken und Museen vorhanden und hier komplett online zu sehen:
http://diglib.hab.de/drucke/th-4f-54/start.htm

mcadder
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Re: Evangelischer Herzensschatz von 1683

Beitrag von mcadder » Fr 20. Mai 2016, 15:32

Das oben gepostete digitalisierte Exemplar ist ein gutes Beispiel, wie ein gut erhaltenes Buch aus der Zeit aussieht.

Die Illustrationen in dem Buch sind übrigens Holzschnitte, das Frontispiz und der gestochene Titel, also die beiden ganzseitigen illustrationen zu Beginn des Buches sind Kupferstiche.

Die Preisfindung bei einem alten und einigermaßen seltenen Buch ist Ermessensache. Auf Ebay möchte jemand für eine Ausgabe 1715 1250€, http://www.ebay.at/itm/EVANGELISCHER-HE ... 0466440880 hier auf booklooker für ein mMn. ähnlich gutes Exemplar von 1768 499€ und selbst das dürfte seit 1.1.2015 online sein und ist noch nicht verkauft.
Für mich rechtfertigt das Alter den Preisunterschied nicht, insbesondere da keines der beiden eine Erstausgabe ist und die Bücher auch die selben Illustrationen und das gleiche Format haben. Ich halte den Preis auf ebay für völlig überzogen.

Du hast eine Erstausgabe, da allerdings weder das Buch noch der Autor sonderlich bekannt sind, und auch der Inhalt keine wirklichen Neuigkeiten birgt, glaube ich, dass deine Ausgabe nicht viel mehr wert ist, als eine der späteren.
Wenn du dieses Buch verkaufen möchtest, musst du wegen der geringen Nachfrage entweder sehr günstig anbieten oder dich auf eine vielleicht lange Wartezeit einrichten. Du könntest es auch bei einem Buchauktionshaus wie Kiefer, Ketterer, Reiss und Sohn oder Zisska schätzen und ggf versteigern lassen.
Ein Buch restaurieren zu lassen ist leider sehr teuer, daher würde ich in dem Zustand irgendwas zwischen 100 und 300€ ansetzen je nachdem wieviel Zeit du hast. Ein Händler wird dir wahrscheinlich nur einen Bruchteil dessen anbieten.

Plumbear1
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Re: Evangelischer Herzensschatz von 1683

Beitrag von Plumbear1 » Sa 21. Mai 2016, 22:58

Vielen Dank für die ausführlichen Informationen - auch wenn sie ernüchternd sind... Ich hatte noch nie so ein altes Buch und hatte eine falsche Vorstellung vom Wert, was aber nicht weiter schlimm ist da ein Verkauf grundsätzlich nicht unbedingt geplant war (ausser es hätte jemand gesagt daß es extrem wertvoll ist). Es freut mich zu erfahren daß dies eine Erstausgabe ist, also in gewissem Sinne durchaus was Besonderes. Ich werde es neben das Schönburgische Gesang- und Gebetbuch (keine Jahresangabe, aber handgeschriebener Vermerk daß es aus der Zeit zwischen 1732 und 1748 stammt) stellen und mich an seinem Anblick erfreuen... ;-)

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