Bücher aus der Zeit 1933-45

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elbroto

Beitrag von elbroto »

Der Punkt ist der: Der Privatbesitz der Bücher allein ist nicht grundsätzlich verboten insbesonders wenn es sich um Familienbesitz habndelt (wie in meinem Fall) Der Handel damit kann unter Umständen zum Problem werden....
origami
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Beitrag von origami »

Ich finde, es geht nicht darum, ob man durch den Verkauf oder Erwerb derartiger Machwerke juristisch belangt werden kann, sondern - sorry - um den moralisch/ethischen Aspekt. Ich bin zwar erst 10 Jahre nach Kriegsende geboren, aber von meiner Sozialisation her natürlich stark in die Zeit des Nationalsozialismus involviert, mein Vater ist Jahrgang 1920, meine Mutter Jahrgang 1931, ich habe einige Verwandte in Lagern und im Krieg verloren, das heißt, ich habe sie nie kennengelernt. Mir sträubt sich echt das Gefieder, wenn ich wahrnehme, daß man mit "Literatur" aus der Nazizeit Geld verdienen will - ich akzeptiere übrigens durchaus, daß es nicht primär um den Gewinn geht, sondern daß man Bücher, die vermeintlich einen historischen Wert haben, nicht so einfach in die Tonne donnert, aber ich vertrete weiterhin die Ansicht, daß derartige Schriftstücke der Vernichtung anheimgegeben werden sollten - daß sie einen unglaublich wertvollen Beitrag zur Forschung darstellen, ist 60 Jahre nach Kriegsende nicht wirklich zu erwarten...
elbroto

Beitrag von elbroto »

Ich hab meiner Mutetr orgeschlagen, den Verkaufserlös zu spenden. sie scheint nicht abgeneigt.

Alternative: Ich verkaufe es einfach nicht.....
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Flachs
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Beitrag von Flachs »

origami hat geschrieben: - daß sie einen unglaublich wertvollen Beitrag zur Forschung darstellen, ist 60 Jahre nach Kriegsende nicht wirklich zu erwarten...
... - vielleicht nicht unbedingt zur Forschung, aber sie können durchaus zur Aufklärung über den Nationalsozialismus dienen: An unseren Unis werden aus gutem Grund immer wieder z. B. Germanistikseminare angeboten, in denen Studenten diese Texte analysieren und darüber diskutieren etc. In diesen Fällen sind Kopierexemplare für die Seminarteilnehmer sehr hilfreich, und je mehr derartiges Material für solche Zwecke zur Verfügung steht, desto besser lassen sich solche Seminare durchführen. Dazu sollte man das Material den Hochschulen anbieten - und an die zusammengestrichenen Etats denken: Geld für Bücher haben die Unis nicht mehr!

Wie wichtig diese Aufklärungsarbeit nach wie vor ist, mußte ich kürzlich zu meinem Schrecken im Bekanntenkreis erleben, als mir jemand begeistert ein Buch in die Hand drückte, das ich sofort als rechtsradikales Machwerk einstufte - und jener Bekannte mich fragte, wie ich denn darauf käme! :shock: Ihm war wirklich nichts aufgefallen...
elbroto

Beitrag von elbroto »

Auch das ist ein Grund warum ich es in den richtigen Händen wissen will...
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folke
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Beitrag von folke »

heikles thema.

der vorschlag der selbstzensur (in die tonne kloppen) halte ich nicht für angebracht. könnte man sagen: das sind nazimethoden.

die meisten bücher sind frei verkäuflich. und ich verkaufe auch nazi-bücher, ja, ich gebe es zu, böse-böse ich (und doch bin ich kein nazi) :wink: solange sie nicht auf dem index stehen (und das tun übrigens die wenigsten)

es gibt genug sammler, die weder nazi noch neo.nazis sind, und die doch bücher aus dieser zeit sammeln.


auch irgendwie komisch: bei büchern, die keiner haben will, wird aufgeschrieen, wenn man sie wegwerfen möchte. aber bei bücher, die richtig wert haben, sammlerwert, die soll ich in die tonne drücken?

*kopfschüttel*
wer bin ich denn, dass ich zensieren darf, was gelesen wird?



*aufmeinesteinigungwarte*
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Erzkanzler
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Beitrag von Erzkanzler »

Moin, Moin,

und was sagt BL zu diesem Thema:

9. Die Verkäufer dürfen keine Artikel auf die Webseite von booklooker/disklooker einstellen, die durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert sind. Solche Artikel dürfen auch nicht unter dem Vorbehalt des Altersnachweises angeboten werden, das öffentliche Anbieten indizierter Produkte ist gesetzlich untersagt (§ 5 Abs. 2 des Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften und Medieninhalte).

10. Der Verkäufer darf keine Artikel auf den Webseiten anbieten, deren Verbreitung gegen gesetzliche Vorschriften verstößt. Insbesondere darf der Verkäufer durch das Einstellen seiner Artikel keine Propagandamittel und Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verbreiten (§§ 86, 86 a StGB) und keine Artikel auf den Webseiten anbieten, die zur Volksverhetzung geeignet sind (§ 130 StGB). Auch der Nachweis des ausschließlich wissenschaftlich-historischen Interesses an diesen Artikeln durch den Käufer ist nicht ausreichend.

cu
Erzkanzler
Mein Bücherregal
"Nimm einem stolzen Hirsch sein Geweih.
Was bleibt übrig?
Ein großes Karnickel."
elbroto

Beitrag von elbroto »

Jop, und damit ist meie Frage hinreichend beatwortet.

Wie oben schon erwähntt, hätt ich selber draufkommen müssen. Danke nochmal erzi
Knuseline
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Beitrag von Knuseline »

Hi,
ich habe in meinem Nachlaß auch noch eine gute Anzahl von Nazi-Literatur. Bei manchen ist es offensichtlich, die kommen auf den Stapel, den ich am Ende irgendeiner interessierten UB anbieten will. Aber bei manchen ist es echt schwierig, ohne Lektüre des Inhalts zu sehen, ob es harmloese oder propagandistisches Zeug ist.
Kennt jemand noch eine andere Liste als bpjm.com? Das funktioniert mangels flashplayer bei mir leider nicht.
Grüße
Knuseline
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charity01
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Beitrag von charity01 »

obwohl mir die Tränen in die Augen steigen, wenn ich höre das Bücher weggeworfen werden - aber in diesem Fall mein Vorschlag - ab in die Tonne!
liebe Grüße von Charity
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holgerfass
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Beitrag von holgerfass »

Hier in Köln gibt es ein NS-Dokumentationszentrum mit angeschlossener Bibliothek - die sind über jede Bücherspende aus der Nazizeit dankbar. Die Bücher dienen Forschungszwecken und werden z.T. bei Ausstellungen verwendet:
www.nsdok.de
raef
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....MAnn, mannn seid ihr alle Hirngewaschen...

Beitrag von raef »

...Ich kann manchmal nur noch den Kopf schütteln wie viel Angst die Leute vor der "bösen" Naziliteratur haben...Mülltonne? Seid ihr noch zu retten? Ihr könnt die Bücher auch gleich verbrennen...Soll das die ganze Geschichte so weiter gehen, dass alle 50-100 Jahre mal schnell rundweg alle Bücher entsorgt werden?
Ihr meint die Bücher seien eine Gefahr? Soll ich euch was sagen? Der Leser ist die Gefahr und nicht das Buch.
Ich vertrete die Ansicht, dass jegliche Information (wirklich ALLE) für jeden zugänglich sein sollten, denn wenn nicht gibt es eine Selektion für "verbotene" Bücher. Und der, der Selektiert ist nie unfehlbar. Schaut mal auf den Index in der BRD. Da stehen 10.000 Bücher drauf und im GG steht fett drin "es findet keine Zensur statt" und die sind bei weitem nicht alle Nationalsozialistisch...
Damit wir uns recht verstehen: Ich kann des Fascho-Pack auch nicht ab, aber wie wollt ihr mündige Bürger bekommen, wenn ihr ihnen gewissen Lesestoff verbietet. Ausserdem generiert sich so der allseits bekannte Reiz des Verbotenen.
Anstatt gegen Rechts zu hetzen (womit man sich auf eine Stufe stellt) sollte man die Kiddies lieber in der Schule Wilhelm Reich lesen lassen (Massenpsychologie des Faschismus) anstatt sinnlose Unterhaltungsromane von vor 150 Jahren...

...jetzt aber gut...
Schlangelisa
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Beitrag von Schlangelisa »

Empfehle in diesem Zusammenhang

"Zehn statt tausend Jahre - Nationalsozialismus an der Saar" aus meinem Programm

Grüße
Schlangelisa

http://www.booklooker.de/schlangelisa
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Erzkanzler
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Re: ....MAnn, mannn seid ihr alle Hirngewaschen...

Beitrag von Erzkanzler »

raef hat geschrieben:...
Ich vertrete die Ansicht, dass jegliche Information (wirklich ALLE) für jeden zugänglich sein sollten...,

Damit wir uns recht verstehen: Ich kann des Fascho-Pack auch nicht ab, aber wie wollt ihr mündige Bürger bekommen, wenn ihr ihnen gewissen Lesestoff verbietet. Ausserdem generiert sich so der allseits bekannte Reiz des Verbotenen...
Dem schliesse ich mich an!

cu
Erzkanzler
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bienwald
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Beitrag von bienwald »

ich kann hierzu auch ein Buch empfehlen:

Wolfgang Benz: Was ist Antisemitismus

Herausgeber: Bundeszentrale für politische Bildung
Herzlichen Gruß
Bienwald
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