Wohin mit Büchern aus dem dritten Reich?

Fragen & Antworten rund um die Funktionen von booklooker (Buddylist, Blacklist, Suchaufträge, Urlaubsservice etc).
Benutzeravatar
Mary
Beiträge: 1207
Registriert: Di 17. Jan 2006, 19:14

Wohin mit Büchern aus dem dritten Reich?

Beitrag von Mary » Mo 1. Dez 2008, 11:58

Hallo an alle!

Aus einer Wohnungsauflösung einer alten Dame wurden uns ein Haufen alter Bücher geschenkt (Hurra!)

Dabei waren auch einige Bücher aus der Zeit des dritten Reiches mit eindeutigem Inhalt. Bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien habe ich schon angefragt, ob diese Werke indiziert sind.

Die Antwort ist: "Bei den von Ihnen angegebenen Büchern handelt es sich um sog. ?vorkonstitutionelle Schriften? (=vor Inkrafttreten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland erschienen).

Auf Grund dieser Tatsache konnte sich ein verfassungsfeindlicher Inhalt gegen die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland noch nicht ergeben."

Wohin aber nun mit dem Mist? Verkaufen wäre ja schön, aber ich will auf keinen Fall riskieren diese Werke an irgendwelche Faschos zu verkaufen.

Und wie schon an anderer Stelle gesagt, kann ich schlecht wegwerfen - im Altpapier könnten die falschen Leute sie finden, verbrennen finde ich in dem Zusammenhang merkwürdig...

Jetzt stehen sie in ihrem weiterhin (offensichtlich) ungelesenem Zustand auf dem Speicher.

Gibt es irgendeine öffentliche Stelle, Museum, Aufklärungstätte o.ä., die sowas brauchen kann?
Was macht Ihr mit dem Zeug aus der Zeit?

Schönen Wochenanfang wünscht
Mary

chrissy
Beiträge: 2868
Registriert: Di 28. Mär 2006, 20:00
Wohnort: Bayern

Beitrag von chrissy » Mo 1. Dez 2008, 12:12

Hallo Mary,

solche Bücher werden sehr oft bei unserem Bücherflohmarkt abgegeben. Wir geben sie weiter ans Institut für Zeitgeschichte.

Benutzeravatar
merlina22
Beiträge: 639
Registriert: Sa 16. Jun 2007, 16:08
Wohnort: Hamburg

Beitrag von merlina22 » Mo 1. Dez 2008, 15:11

chrissy hat geschrieben:Hallo Mary,

solche Bücher werden sehr oft bei unserem Bücherflohmarkt abgegeben. Wir geben sie weiter ans Institut für Zeitgeschichte.
Hallo,
mal so rein interessehalber. Was macht denn das Institut für Zeitgeschichte damit?
LG

Bookorsair
Beiträge: 325
Registriert: Di 20. Mär 2007, 01:28
Wohnort: CH 1201 Genève

Beitrag von Bookorsair » Mo 1. Dez 2008, 23:30

Hallo Mary,
zu diesem Thema gabs schon einmal ein thread, hiess glaub ich "Bücher aus der Zeit von 1933-45, eingerichtet von elbroto. Kann den jemand finden? Ist ungefähr ein Jahr her.
Gruss
Wir werden nie so klug sein, um den Schaden zu beheben, durch den wir es wurden....
Ausserdem: manche sehen vor lauter Büchern die Bibliothek nicht.
Hier geht es zu meinen Büchern: http://www.booklooker.de/bookorsair

Benutzeravatar
merlina22
Beiträge: 639
Registriert: Sa 16. Jun 2007, 16:08
Wohnort: Hamburg

Beitrag von merlina22 » Mo 1. Dez 2008, 23:35

Ich hoffe ich habs....
Das müsste dieser hier sein.

viewtopic.php?t=488

Bookorsair
Beiträge: 325
Registriert: Di 20. Mär 2007, 01:28
Wohnort: CH 1201 Genève

Beitrag von Bookorsair » Mo 1. Dez 2008, 23:53

Hallo merlina,
hab' Dank! ja genau,das war's.
Gruss und gute Nacht!
th.
Wir werden nie so klug sein, um den Schaden zu beheben, durch den wir es wurden....
Ausserdem: manche sehen vor lauter Büchern die Bibliothek nicht.
Hier geht es zu meinen Büchern: http://www.booklooker.de/bookorsair

Benutzeravatar
Mary
Beiträge: 1207
Registriert: Di 17. Jan 2006, 19:14

Beitrag von Mary » Di 2. Dez 2008, 09:05

Moin, moin,

danke für den Link. Wirklich aufschlußreich.

:P

buecherdetti
Beiträge: 2
Registriert: Di 28. Okt 2008, 11:29

Beitrag von buecherdetti » Fr 5. Dez 2008, 19:45

hallo mary,
ich bin neu im forum-
ich verstehe nicht ganz dein problem.
auch das sogenannte "dritte reich" ist
deutsche geschichte.stehen diese bücher
nicht auf den index dann verkaufe sie.
was meinst du denn was mit den büchern
geschehen würde,wenn du sie irgend jemanden spenden würdest---
ich sag es dir---die würden diese bücher verkaufen,
und zwar zu einen hohen preis.
deine angesprochenden fachos kaufen deine bücher nicht---
die haben sie schon längst.

buecherdetti
eine neue wahrheit ist nichts schändlicher als ein alter irrtum

Meretseger
Beiträge: 4
Registriert: Mi 26. Nov 2008, 09:26

Beitrag von Meretseger » Mo 8. Dez 2008, 18:44

Hallo alle Miteinander :D

@Merlina22

Vielen Dank für den Link.
Eine wichtige und interessante Diskussion um ein schwieriges Thema.

Habe ebenfalls eine ganze Reihe der einschlägigen Literatur vor kurzer Zeit geerbt.
Ich befürchte..auch jede Menge, die auf dem Index steht.

Ich werde jetzt in mich gehen...und überlegen, ob ab in die Tonne ( und zwar so, dass sie niemanden mehr von Nutzen ist) oder ich werde ein Landesarchiv anschreiben, ob Interesse vorhanden.


Liebe Grüße

Meretseger



Meine Bücher: https://www.booklooker.de/app/result.ph ... ediaType=0

Benutzeravatar
Mary
Beiträge: 1207
Registriert: Di 17. Jan 2006, 19:14

Beitrag von Mary » Do 11. Dez 2008, 19:28

Die Antwort (von der Bundesstelle) ist: "Bei den von Ihnen angegebenen Büchern handelt es sich um sog. ?vorkonstitutionelle Schriften? (=vor Inkrafttreten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland erschienen).

Auf Grund dieser Tatsache konnte sich ein verfassungsfeindlicher Inhalt gegen die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland noch nicht ergeben."
das heißt der ganze Sch... aus der Zeit ist nicht indierzt und indizierbar.

@buecherdetti: Die Faschos wachsen ständig nach...

und Militariasammler finde ich auch ein bißchen komisch...

Wenn sone Aufklärungsstätte den Krempel verkauft, wirds ja wenigstens noch für nen guten Zwecke verwendet, sogar auf gewisse subtile Art. Ich denke ich werde mich dahin orientieren. Ansonsten Speicher oder Tonne.

Liebe Grüße

logoslogos
Beiträge: 34
Registriert: So 20. Mai 2007, 02:14

Beitrag von logoslogos » Mo 15. Dez 2008, 23:21

Ich freue mich, dass einige Aktive hier im Forum sich Gedanken machen. Meine Position ist kompromisslos: In die Tonne mit dem Dreck!

Wer etwas über den Faschismus erfahren will, kann auf einige Jahrzehnte Literatur zurückgreifen. Aber die Mörder nach dem Mord fragen!?

Wer Nazipropaganda vertreibt, leistet Nazis Vorschub. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Es gibt keine Entschuldigung, sich in die Nähe von Vergasungsgewinnlern zu begeben. KEINE!

Zur Erinnerung oder Anregung aus dem Schwur von Buchenwald:
"Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung."

Bookorsair
Beiträge: 325
Registriert: Di 20. Mär 2007, 01:28
Wohnort: CH 1201 Genève

Beitrag von Bookorsair » Di 16. Dez 2008, 00:34

Hallo logoslogos,
ich bin ganz Deiner Meinung: in den Müll damit, wie ich hier schon an anderer Stelle geschrieben habe. Es mag wohlzuüberlegende Ausnahmen geben, aber im Zweifelsfall: Tonne.
Ein Heft über die sog. Hitlerjugend mit einem Namenszug von Schirach mag "echte Kohle" bringen, aber ich habe mir geschworen, das Dreckszeug zu vernichten. Angesichts der Aktualität (Passau) muss jeder seinen Beitrag dazu leisten, den Faschos den Garaus zu machen. Zéro tolérance! Denkt daran, liebe Leute aus dem Forum: wenn diese lebensgefährlichen Gauner an die Macht kämen, wäre unser freies und menschfreundliches Forum alsbald dicht, von anderen Konsequenzen zu schweigen.
Gruss
Th. aus Genf
Wir werden nie so klug sein, um den Schaden zu beheben, durch den wir es wurden....
Ausserdem: manche sehen vor lauter Büchern die Bibliothek nicht.
Hier geht es zu meinen Büchern: http://www.booklooker.de/bookorsair

Robinjulien
Beiträge: 1
Registriert: Mi 31. Dez 2008, 18:11
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Robinjulien » Sa 3. Jan 2009, 17:53

Ja, ich bin genau der Ansicht von bookorsair! Weg damit in den Müll! Und Du fühlst Dich dann auch besser, weil Du weißt, dass man damit keinen Unfug mehr treiben kann.

Grüße

smilla
Beiträge: 24
Registriert: Sa 5. Apr 2008, 19:30

Beitrag von smilla » So 4. Jan 2009, 18:17

Ich würde die Schriften an Fachbibliotheken oder Forschungsinstitute geben. Für Wissenschaftler können sie als Quellen interessant sein.

"Nachwuchsbraunen" traue ich es intellektuell nur in den seltesten Fällen zu, dass sie sich in Internetantiquariaten herumtreiben und nach Büchern suchen. Die breite Basis solcher Gruppierungen stammt m. E. eher aus bildungsfernen Instanzen. Trotzdem, in den sorgfältigen Händen verantwortungsvoller Forscher sind die Schriften mit Sicherheit sicherer.

LocoLibri
Beiträge: 232
Registriert: Sa 6. Dez 2008, 20:43

Beitrag von LocoLibri » So 4. Jan 2009, 22:38

Ich hatte auch das "Glück" an braune Bücher aus der Nazi-Zeit zu kommen und bekomme schon eine Gänsehaut, wenn ich darin nur blättere. :shock:

Und habe mich deshalb ohne wenn und aber für den direkten Weg ins Altpapier (Direktablieferung Papiermühle) entschieden, damit wird daraus bestimmt noch etwas brauchbares. :mrgreen:

Ich denke auch, dass es diese Bücher bereits in ausreichendem Umfang in den "sorgfältigen Händen der verantwortungsvollen Forscher" gibt. Jedenfalls dürften sie nicht auf weitere spektakuläre Keller-, Dachboden-, Scheunen oder wo auch immer-Funde für ihre Forschung angewiesen sein.
Meine Meinung.

Antworten